Wundern & Wissen

Nur noch kurz die Welt retten

Engagierte Jugend: Viele Schüler möchten Natur und Umwelt nicht nur erleben, sondern auch schützen und erhalten. Ihr Einsatz lohnt sich gleich mehrfach


Ein schöner Herbsttag in Heilbronn: Die 8. und 9. Klasse der Grund- und Werkrealschule (GWRS) Frankenbach kann es kaum erwarten, ins Grüne zu kommen. Denn heute und morgen steht die alljährliche Apfelernte der Schülerfirma „Alles Apfel“ an, und das heißt: mit Handschuhen, Eimern und Stangen bewehrt, raus auf die nahegelegene Streuobstwiese und dann Bäume schütteln und Äpfel sammeln, was das Zeug hält. Ein Erntetrupp in Klassenstärke bringt an einem Vormittag bis zu zwei Tonnen Äpfel zusammen, genug für einen Hektoliter frisch gepressten Saft.

„Viel besser als Unterricht“ findet die 14-jährige Chiara aus der 9. Klasse den Vormittag zwischen Apfelbäumen und Fallobst. Auch wenn sie sonst wenig Zeit im Grünen verbringt, hier schätzt sie den direkten Kontakt zur Natur. „Es macht riesigen Spaß, mit der ganzen Klasse an der frischen Luft zu sein. Und wir lernen ja auch etwas dabei.“

Die Lehrerinnen Karin Koch und Simone Würth betreuen die Schülerfirma und die Apfelernte und schaffen es, daraus Stoff für jede der drei Fachrichtungen der Schule abzuleiten. Schüler mit wirtschaftlichem Schwerpunkt kümmern sich um die Kalkulation, bei Gesundheit und Soziales geht es um die Verarbeitung der Äpfel, und im Bereich Natur und Technik widmet man sich der Streuobstwiese und dem Baumschnitt. „Einmal im Monat verkaufen wir den Saft im Getränkemarkt. Da muss dann jeder ran, genau wie bei der Ernte“, sagt Karin Koch.

Die GWRS Frankenbach ist nur eine von inzwischen 29 Schulen, die im Herbst in und um Heilbronn Äpfel ernten und zu Saft verarbeiten. Agraringenieur Christoph Schulz hat das Projekt 2009 im nahen Ort Schwaigern ins Leben gerufen und unterstützt gemeinsam mit Birgit Eschenlohr vom BUND die teilnehmenden Schulen, von der zeitlichen Koordination über die Etiketten für die Saftflaschen bis hin zur geeigneten Ernteausrüstung. Die Kinder lernen, größere Vorhaben zu planen und umzusetzen, und erwerben dabei praktisches Know-how im Projektmanagement. Ganz nebenbei hilft das Projekt aber auch beim Erhalt eines besonderen Lebensraums und einer uralten Kulturlandschaft.

60 000 Bäume und Sträucher haben Ulmer Schüler in den vergangenen 16 Jahren gepflanzt

So wie in Heilbronn bieten Naturschutzorganisationen in ganz Deutschland Schülern die Möglichkeit, sich lokal für Natur- und Umweltschutz einzusetzen, oft in Zusammenarbeit mit Schulen und Gemeinden. Ein erfolgreiches Beispiel sind die regelmäßigen Pflanzaktionen in der Landschaft um Ulm, die das dortige BUND-Umweltzentrum gemeinsam mit der Stadt und den Ulmer Schulen seit 16 Jahren veranstaltet. „Wir haben inzwischen über 60 000 Bäume und Sträucher gepflanzt“, sagt Almut Sattelberger vom BUND, die das Projekt „Lernen durch Arbeiten in der Natur“ betreut: Die Kinder verbringen einen Vormittag in der Natur, lernen etwas über die Pflanzen und wie man sie in die Erde setzt und stärken sich anschließend an einer Vesper – für viele ein unvergessliches Naturerlebnis.

„Ich war schon vor einem Jahr dabei. Unsere Bäume habe ich inzwischen oft gesehen, die wachsen“, sagt der zwölfjährige Paul aus der 7. Klasse des Kepler-Gymnasiums in Ulm. „Dieses Mal war es etwas neblig, aber es hat Spaß gebracht, wieder mit der ganzen Klasse mitzumachen.“ Sein Engagement für die Natur setzt er auch in der Schule fort: Als Öko-Referent der Klasse sorgt er dafür, dass die Mülltrennung klappt und beim Lüften möglichst wenig Heizenergie verloren geht.

 

Themen wie Müll und Umweltschutz liegen Schülern am Herzen, das zeigt auch das Beispiel der 4c der Johann-Pestalozzi-Grundschule im brandenburgischen Leegebruch. Lehrerin Barbara Bönigk begleitete im Frühjahr 2015 die damalige 3. Klasse zu einem Projekttag an die Muhre, um Herkunft und Pflanzenwelt des kleinen Flusses zu erkunden. „Als wir am Ende des Weges ankamen, war dort alles voller Müll“, erinnert sich die neunjährige Emilia. Ihr Mitschüler Till, der damals zum ersten Mal an der Muhre war, fragt: „Warum schmeißen die Menschen den Müll hier einfach weg?“ Und Mitschülerin Leni sagt: „Ich würde es verstehen, wenn die Menschen Essen wegwerfen. Aber im Plastik sind viele Giftstoffe, die die Gewässer belasten.“

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  • NaturOrte – die schönsten Plätze in der Natur

    Der Bericht entstand im Rahmen der Aktion NaturOrte von Magazin SCHULE, unter Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt.

    naturorte.de ist eine online-Plattform für alle Familien mit Kindern, die gern draußen sind. Mit zahlreichen Tipps in ganz Deutschland, wo sich Natur erleben lässt.

Die Schüler beschlossen aufzuräumen. „Wir konnten gar nicht alles einsammeln, so viel Müll war da“, erinnert sich Schülerin Jette. Zweimal kam die Klasse wieder und füllte Müllsäcke. „Da waren Fernseher, Bügeleisen, alte Schläuche“, ärgert sich Tim, der seitdem oft mit seinem Husky in der Nähe spazieren geht. „Die Leute wollen einfach kein Geld ausgeben, um das ordentlich zu entsorgen“, vermutet er. Den zweiten Besuch dokumentierte die Klasse und nahm damit an den bundesweiten Aktionswochen der „Trashbusters“ teil, einer Initiative der Naturschutzjugend im NABU. Die Klasse gewann einen der „Aqua Awards“ für ihr Engagement und erhielt sogar einen Geldpreis.

Der eigentliche Gewinn dürfte jedoch das Naturerlebnis sein, einschließlich Engagement mit positivem Ausgang. Schüler können selbst mit kleinen Aktionen viel bewirken und sogar eine Vorbildfunktion übernehmen. Das zeigt ein weiteres Projekt, das bei den Trashbusters ausgezeichnet wurde: Die 5. Klasse des Gymnasiums Netphen im Siegerland organisierte für ihre Eltern einen Lernnachmittag zum Thema Plastikmüll und Umweltschutz. Angeregt von Lehrerin Ursula Wussow entwickelten die Kinder selbstständig Themen, Spiele und ein Lernquiz, das sie mit viel Elan umsetzten. „Engagement ist in Kindern von vornherein vorhanden“, sagt Ursula Wussow. „Die meisten wollen etwas bewegen.“

Die Überraschung kam am Ende der Lernveranstaltung: Die Eltern sind nur ein Probepublikum gewesen. Nun wollen die Kinder andere Schüler aufklären und ihre Veranstaltung in benachbarten Schulen wiederholen. Engagement ist dann am wirkungsvollsten, wenn es ansteckend ist.

Wo, wie und was mitmachen?

Viele Naturschutzverbände setzen sich für lokale Projekte ein und bieten Kindern und Schulen Möglichkeiten, sich für Natur und Umwelt zu engagieren. Freiwillige Helfer sind immer willkommen. Meist ist der Kontakt zum jeweiligen Ortsverband die einfachste Möglichkeit, etwas über aktuelle Projekte zu erfahren und Hilfe anzubieten. Doch auch die Bundesgeschäftsstelle kann Informationen geben.



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