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Die 21 gefährlichsten Lernlücken – Teil 1: Sprachen

Seite 2/4: Lernlücken Deutsch

Lernlücken Deutsch

Lernlücken Deutsch – Magazin SCHULE online

Unsere Expertin: Swantje Goldbach ist pädagogische Leiterin und Gründerin der Berliner Reformnachhilfeschule Lernwerk (www.lernwerk.de). Über ihr Lernkonzept hat sie ein Buch geschrieben: „Anders Rechtschreiben lernen“, LernImpuls Verlag, 17,90 Euro.

4. dass/das

5. Klasse
Notenfaktor: ★  Häufigkeit: ★★★ s

Es ärgerte ihn, dass er immer wieder den gleichen Fehler machte.
In dem Diktat, das das Mädchen geschrieben hatte, wimmelte es von Fehlern.

Es ist ein Klassiker unter den Rechtschreibfehlern: die Unterscheidung zwischen „dass“ und „das“ nach einem Komma. Dabei haben die beiden Wörter völlig unterschiedliche Bedeutungen: „Dass“ ist eine Konjunktion, also ein Bindewort wie „und“ oder „deshalb“. „Das“ ist ein Pronomen wie „der“ oder „jene“.

Wer dieses Prinzip nicht begreift, kann sein Leben lang nur raten. In der Schulzeit bedeutet das Minuspunkte überall, wo Rechtschreibung zählt. Und von der Bewerbung bis zur Dienst-E-Mail macht man damit garantiert einen schlechten Eindruck. Auch Rechtschreibprogramme korrigieren „dass/das“-Fehler nicht zuverlässig.

Also aufgepasst, wenn in der Grundschule die ersten Diktate geschrieben werden: Hier gewöhnen sich viele Kinder daran, nach einem Komma automatisch „dass“ zu schreiben. Tatsächlich aber ist „das“ nach einem Komma häufiger. Zum Glück ist es nie zu spät, sich folgende einfache Regel einzuprägen:

TIPP
„Das“ kann man durch „welches“ „dieses“ oder „jenes“ ersetzen, ohne dass der Satz seinen Sinn verliert. Geht das nicht, verwendet man „dass“.

 

5. Interpretation

ab 8. Klasse
Notenfaktor: ★★★  Häufigkeit: ★★★

Was will uns der Autor damit sagen? Diese Frage gehört zum festen Schulrepertoire. Und das nicht nur in Deutsch, sondern auch in Fremdsprachen, Geschichte, Religion, Kunst, Musik …

Das Problem: Wer nicht weiß, was der Autor SAGT, kann nicht erahnen, was dieser aussagen WILL. „Viele Schüler haben eine furchtbar schlechte Lesetechnik, sie können schlicht nicht sinnentnehmend lesen“, sagt Swantje Goldbach, Gründerin der Berliner Reformnachhilfeschule Lernwerk. Das äußere sich dann auch an ganz anderer Stelle, etwa wenn die Schüler Aufgaben in Klassenarbeiten nicht richtig verstehen.

Kinder sollten sich spätestens bei den ersten Interpretationen angewöhnen, mit längeren Texten aktiv zu arbeiten. Das bedeutet: zu unterstreichen, sich Notizen am Rand zu machen, Wichtiges einzukringeln, dabei unterschiedliche Farben zu verwenden. Dabei darf jeder durch Ausprobieren seine eigene Technik entwickeln – Hauptsache, sie funktioniert.

TIPP
Swantje Goldbach rät ihren Schülern, den Inhalt eines Textes während des Lesens auf einem gesonderten Blatt in Form einer Mindmap zu visualisieren.

 

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6. Dopplung und Dehnung

2.–4. Klasse
Notenfaktor: ★  Häufigkeit: ★★★

Heller oder Hehler? Was schon gesprochen ähnlich klingt, bereitet fast allen Kindern anfangs Probleme beim Schreiben. Im Deutschen werden Konsonanten nach kurzen Vokalen in der Regel verdoppelt und nach langen manchmal gedehnt. Unmittelbar logisch finden die meisten Kinder das nicht, zumal es eine Fülle von Ausnahmen gibt, wie die Beispiele „Saal“, „Mahl“ und „Wal“ zeigen. Lehrkräfte empfehlen daher meist: üben, üben, üben – und immer an die Regel denken.

Doch das ist nicht immer der richtige Weg. Viele Kinder hören den Unterschied zwischen kurzen und langen Vokalen schlicht nicht. Macht ein Kind fortwährend Dopplungs- oder Dehnungsfehler, sollten Eltern unbedingt klären, ob es den Unterschied zwischen kurzen Vokalen (wie das „a“ in Wall) und langen (wie das „a“ in Wahl) verstanden hat und auch hören kann!

TIPP
Lange und kurze Vokale lassen sich mit den Fingerspitzen „ertasten“ (der Mund öffnet sich bei langen deutlicher) oder im Spiegel bzw. bei Mama und Papa mit dem Auge unterscheiden.



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