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	<title>Meinen &amp; Sagen Archive - Magazin SCHULE</title>
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	<description>So leben und so lernen wir</description>
	<lastBuildDate>Thu, 30 Apr 2026 14:23:26 +0000</lastBuildDate>
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		<title>„Jungen tendieren zum Größenwahn&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[magazinschule]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Apr 2026 13:18:30 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Herr Winter, Sie beschäftigen sich als Erziehungswissenschaftler speziell mit unserem männlichen Nachwuchs. Ist Schule für den heute wirklich schwerer als für Mädchen? Oder ist das nur eine bequeme Ausrede für schwache Noten? Erst einmal: „Die“ Jungen gibt es so pauschal nicht. Viele Jungen sind sehr [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/benachteiligte-jungen-wie-ticken-jungs-tendieren-zum-groessenwahn/">„Jungen tendieren zum Größenwahn&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.magazin-schule.de">Magazin SCHULE</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Herr Winter, Sie beschäftigen sich als Erziehungswissenschaftler speziell mit unserem männlichen Nachwuchs. Ist Schule für den heute wirklich schwerer als für Mädchen? Oder ist das nur eine bequeme Ausrede für schwache Noten?</strong></p>
<p>Erst einmal: „Die“ Jungen gibt es so pauschal nicht. Viele Jungen sind sehr erfolgreich in der Schule, das ist wichtig zu sagen: Manche Eltern mit kleinen Söhnen entwickeln schon fast eine vorauseilende Schulangst, und dann wird jedes halbe Scheitern gleich dramatisiert. Aber im Durchschnitt liefern Jungs in vielen Bereichen tatsächlich schlechtere Ergebnisse als Mädchen ab.</p>
<p><strong>Woran liegt das?</strong></p>
<p>Das hängt stark mit unseren Geschlechterbildern zusammen. In der Schule soll man sich einordnen, pünktlich sein, seine Aufgaben gewissenhaft erledigen, Ordnung im Schulranzen halten – das sind Ideen, die wir als Gesellschaft immer noch eher weiblich assoziieren. Zur Männlichkeit gehört dagegen zum Beispiel, autonom zu sein, durchsetzungsfähig, stark, die Dinge selbst so zu machen, wie man möchte. Und diese Ideen kollidieren leider mit der verbreiteten Vorstellung davon, wie Schüler sein sollten.</p>
<blockquote class="left text-right"><p>Eltern von Jungen geben oft zu leicht nach<cite class="">Reinhard Winter, Soziologe</cite></p></blockquote>
<p class="medium-margin-left"><strong>Sollte es der Lehrerin nicht egal sein, wie es im Schulranzen meines Sohnes aussieht?</strong></p>
<p>Na ja, spätestens dann nicht mehr, wenn sich das längst überfällige Arbeitsblatt nach Wochen im Sumpf am Boden des Ranzens wiederﬁndet. <em>(lacht)</em> Aber wichtiger als das Thema Ordnung ist zum Beispiel die Impulssteuerung: also die Fähigkeit, bei der Sache zu bleiben. Da lassen sich Jungen tendenziell leichter ablenken als Mädchen, und das merkt man natürlich an den Resultaten.</p>
<p><strong>Was kann ich als Vater oder Mutter denn tun, damit das besser funktioniert?</strong></p>
<p>Wichtig ist, dass Eltern Halt geben, regulieren, dass sie Normen haben. Und diese auch vertreten! In meiner Beratung erlebe ich immer wieder, dass Eltern beispielsweise der Meinung sind, nach dem Mittagessen müssen Hausaufgaben gemacht werden – aber wenn ihr Sohn gegen diese Norm rebelliert, scheuen sie den Streit und streichen viel zu schnell die Segel. Allgemein geben Eltern von Jungen oft zu leicht nach. So aber lernen die Kinder nicht, ihre Impulse zu kontrollieren.</p>
<figure style="width: 616px" class="wp-caption alignright"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://www.magazin-schule.de/wp-content/uploads/2026/04/Reinhard_Winter-Benachteiligte_Jungen-Magazin_SCHULE.jpg" alt="Reinhard Winter, Erziehungswissenschaftler und Autor" width="616" height="767" /><figcaption class="wp-caption-text"><strong>Jungen-Versteher:</strong> Der Diplom-Pädagoge Reinhard Winter leitet das Sozialwissenschaftliche Institut Tübingen (www.sowit.de), berät Kinder, Eltern und Schulen in Jungenfragen und hat mehrere Bücher zu dem Thema geschrieben.</figcaption></figure>
<p><strong>Welche Normen sind konkret sinnvoll?</strong></p>
<p>Sie sollten darauf bestehen, dass bestimmte Abläufe eingehalten werden. Man kann das unterstützen, indem man sich etwa darauf einigt, dass elektronische Geräte während der Hausaufgaben ausgestellt bleiben und aus der Sichtweite des Kindes gelegt werden. Weit weg ist wichtig, denn Studien haben ergeben, dass Smartphones auch dann ablenken, wenn sie ausgeschaltet in Sichtweite liegen. Und da Jungs sich ohnehin leichter ablenken lassen als Mädchen, hilft ihnen diese Regelung ungemein.</p>
<p><strong>Also brauchen Jungs einfach ein bisschen mehr Strenge?</strong></p>
<p>Streng muss gar nicht sein, aber etwas mehr Orientierung und Führung. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, nicht nur auf dem Negativen rumzureiten, sondern auch die Kompetenzen und Fortschritte zu sehen. Es ist ja durchaus lobenswert, wenn der Sohn zehn Minuten still gesessen hat, nachdem es gestern nur acht Minuten waren – auch wenn wir wissen, dass er eigentlich eine Stunde lang lernen sollte.</p>
<p><strong>Zugegeben fällt es mir schwer, meinen Sohn schon für zehn Minuten Stillsitzen zu loben …</strong></p>
<p>Verständlicherweise! Aber Jungen können auf diese Weise leicht eine Identität entwickeln, die sagt: Ich bin halt einer, der nicht still sitzen kann. Und davon ist es dann schwer, wieder wegzukommen. Natürlich sollten Eltern das nicht übertreiben und ihr Kind für jede Selbstverständlichkeit loben, aber Bemühen und Fortschritte sollten wir unbedingt bestärken.</p>
<blockquote class="left text-right"><p>Jungen lernen fünf Vokabeln und meinen, sie könnten jetzt ﬂießend Englisch</p></blockquote>
<p class="medium-margin-left"><strong>Brauchen Jungs denn besonders viel Lob?</strong></p>
<p>Natürlich gilt das auch für Mädchen. Aber Jungen brauchen Bestärkung in anderen Bereichen. Viele Mädchen können zum Beispiel Unterstützung beim Selbstvertrauen gebrauchen, ihnen fällt es schwer zu glauben, dass sie etwas wirklich gut können. Jungen hingegen tendieren leichter zum Größenwahn: Die lernen fünf Vokabeln und meinen, sie könnten jetzt ﬂießend Englisch. Das alles hat mit Geschlechterbildern zu tun, und nur wenn wir das auch so identiﬁzieren, können wir als Eltern gegensteuern.</p>
<p><strong>In welchen Bereichen sollten wir das tun?</strong></p>
<p>Ein wichtiges Feld sind die kommunikativen Fähigkeiten, also Sprechen, Schreiben und Lesen. Im Durchschnitt erwerben Jungen die sprachliche Ausdrucksfähigkeit später und langsamer als Mädchen. Interessanterweise fördern wir sie darin aber nicht besonders, sondern nehmen das einfach so hin. Ob Eltern oder Pädagogen: Wir stellen uns auf das niedrigere Niveau der Jungen ein, wir erwarten von ihnen weniger als von Mädchen, wir fordern und fördern sie weniger. Aber so bleiben sie natürlich immer weiter zurück, und das bei einer absoluten Kernkompetenz für den schulischen Erfolg!</p>
<p><strong>Wie fördere ich meinen Sohn sprachlich?</strong></p>
<p>Indem Sie mehr mit ihm reden – und weniger an ihn hinreden. Viele unserer Gespräche gerade mit Pubertierenden ähneln ja eher Verhören, da machen die jungen Leute natürlich dicht. Interessieren Sie sich dafür, was Ihr Sohn erlebt hat, und wenn er wieder nur mit einem Satz erzählt, ermuntern Sie ihn, den wenigstens noch ein bisschen auszuschmücken. Lassen Sie sich nicht so leicht abspeisen, akzeptieren Sie, dass viele Jungen eine lange Anlaufphase brauchen, und ertragen Sie Gesprächspausen. Suchen Sie auch nach Situationen, in denen Ihrem Kind das Sprechen leichterfällt: Viele Eltern erzählen mir zum Beispiel, dass ihr Sohn beim Autofahren gesprächig wird, gerade weil es da keine Face-to-Face-Situation gibt.</p>
<blockquote class="right text-left"><p>Streitgespräche sind wunderbare Redeanlässe</p></blockquote>
<p class="medium-margin-right"><strong>Früher hat man sie zum Einschlafen rumgeschippert und jetzt zum Reden?</strong></p>
<p>Natürlich kann man das nicht ständig machen, aber vielleicht klappt das auch beim gemeinsamen Gehen oder Joggen. Außerdem reden viele Jungen sogar ausgesprochen viel, wenn sie ein Anliegen haben. Wollen sie zum Beispiel eine neue Playstation, können Jungs plötzlich engagiert argumentieren. Sie argumentieren vielleicht ständig im Kreis, aber sie reden! Tagelang, manchmal wochenlang. Uns Eltern geht das rasch auf die Nerven, weil die Argumente immer dieselben sind, aber tatsächlich sind solche Streitgespräche wunderbare Redeanlässe.</p>
<p><strong>Ernsthaft, ein Streit als Redeanlass?</strong></p>
<p>Ja! Im Grunde sollten wir für jeden solchen Konﬂikt dankbar sein und sagen: Schön, dann diskutieren wir halt noch einmal über die Playstation und warum er sie will und warum alle anderen eine haben und warum wir ihm trotzdem jetzt keine kaufen – Hauptsache, wir bleiben im Gespräch!</p>
<p><strong>Wenn wir schon streiten müssen: Wie kann das wenigstens zivilisierter ablaufen? Jungs neigen ja dazu, schwache Argumente mit sehr viel Druck und Lautstärke zu kompensieren.</strong></p>
<p>Ganz klar: Jungen müssen konstruktiv streiten lernen, gerade weil es ihnen schwerfällt. Der erste Schritt ist dabei zu lernen, dass man einen Streit verbal und nicht körperlich austragen sollte. Daran arbeiten schon die Erzieherinnen im Kindergarten. Der zweite Schritt ist zu begreifen, dass es bei einer verbalen Auseinandersetzung um die Stärke der Argumente und nicht um die Lautstärke geht. Und im dritten Schritt müssen sie lernen, dass die Schimpfwörter aus ihrer Jugendkultur in Konﬂikten mit Erwachsenen nichts zu suchen haben. Da müssen wir Eltern unsere Söhne kultivieren. Das gilt auch für ihre Aggression, die ja eigentlich ein guter Impuls ist und die wir ebenfalls in sozial verträgliche Bahnen lenken sollten.</p>
<blockquote class="left text-right"><p>Aggression ist ein guter Motivator und gibt einem eine selbstbehauptende Kraft</p></blockquote>
<p class="medium-margin-left"><strong>Was ist gut an Aggression?</strong></p>
<p>Das ist eine wichtige Überlebenskompetenz! Allerdings nicht in dem Sinne körperlicher Aggression, sondern in der Fähigkeit, die eigenen Interessen vorzutragen und durchzusetzen. Ohne diese positive Aggression bekomme ich keinen Job, ﬁnde ich keine Freundin oder keinen Freund, kann ich keinen sportlichen oder schulischen Erfolg haben. Insofern ist Aggression auch ein guter Motivator und gibt einem eine selbstbehauptende Kraft. Damit sind Jungs oft besser ausgestattet als Mädchen. Diese Fähigkeit gilt es zu kultivieren, damit sie eben nicht in Gewalt umschlägt.</p>
<p><strong>Haben Jungs noch weitere Stärken, die in richtige Bahnen gelenkt werden können?</strong></p>
<p>Nehmen wir zum Beispiel das Chaos, mit dem viele Jungen ihre Eltern zur Verzweiﬂung bringen. Das hat durchaus positive Seiten: Zum einen regt es die Kreativität an, und zum anderen wird das Gehirn durch ein Leben im Chaos mehr gefordert, als wenn die Umgebung stets sauber geordnet ist. Das gilt allerdings nur, solange der Sohn das Chaos noch beherrscht und nicht das Chaos ihn – und das muss er lernen.</p>
<p>Auch der stärkere Bewegungsdrang von Jungs ist grundsätzlich positiv. Sie spüren genau, dass ihnen Bewegung guttut, und tatsächlich lernen wir ja auch in Bewegung besser. Das können wir Eltern unterstützen, schlicht indem wir zulassen, dass unser Sohn beim Lernen rumläuft oder nebenbei Wasserﬂaschen herumwirbelt.</p>
<p><strong>Chaos und Bewegungsdrang sind allerdings zwei Stärken, die in der Schule eher nicht erwünscht sind …</strong></p>
<p>Das stimmt, mit beiden Themen tun sich Schulen sehr schwer. Dabei ist es durchaus möglich, im Unterricht mehr Bewegung einzubauen: Zum Beispiel machen manche Schulen kurze Bewegungspausen, oder sie stellen sogar Ergometer hinten in den Klassenraum, auf denen die Kinder bewegt lernen können, wenn sie das möchten. Da fehlt es eher an der Kreativität und dem Willen als an den Möglichkeiten.</p>
<blockquote class="right text-left"><p>Warum sollten sich die Jungs anpassen, wenn doch Bewegung beim Lernen etwas Gutes ist?</p></blockquote>
<p class="medium-margin-right"><strong>Leider haben wir Eltern darauf wenig Einfluss.</strong></p>
<p>Gerade deswegen sollten wir zu Hause nicht wiederholen, was in der Schule schieﬂäuft! Was ist denn schlimm daran, wenn mein Sohn auf seinem Hüpfball hoppelt, während ich Vokabeln abfrage? Mütter sagen mir regelmäßig, dass es sie wahnsinnig macht, wenn ihr Sohn beim Lernen rumzappelt, seine Bottle Flips macht. Aber warum sollten sich die Jungs unserer Norm anpassen, wenn doch Bewegung beim Lernen nachweislich etwas Gutes ist?</p>
<p><strong>Fällt es denn Vätern leichter, das auszuhalten?</strong></p>
<p>Väter sind tatsächlich oft anders. Weil sie selbst ein Junge waren, sind sie wichtige Übersetzer. Die Kinder reﬂektieren ihren Bewegungsdrang oder ihre Impulsivität ja nicht. Das müssen die Väter für sie tun und ihrem Umfeld erklären, warum ihr Sohn sich so verhält.</p>
<p>Fast noch wichtiger ist aber ihr Modellverhalten. Wenn ein Sohn seinen Vater nie mit einer Zeitung oder einem Buch in der Hand sieht, wird er wahrscheinlich annehmen, dass man als Mann nicht liest. Modell zu sein heißt übrigens auch, aus der eigenen Jungenrolle herauszuwachsen. Ich erlebe immer wieder Väter, die in Bezug auf Schule den Rollenwechsel zum Erwachsenen nicht hinbekommen haben und dann Sätze raushauen wie: „Mathe hab ich auch nie kapiert“ oder „In Deutsch hab ich auch nie aufgepasst“. So stützen sie natürlich die unmotivierte Haltung der Jungen.</p>
<p><strong>Sind Mütter da anders?</strong></p>
<p>Von Frauen kommen solche Sätze tatsächlich seltener. Aber Mütter haben eine andere Eigenheit, die Jungen eher bremst als anspornt: Viele behüten ihre Söhne zu sehr und tragen ihnen viel zu lange den Schulranzen hinterher. In einer Studie haben mir Lehrkräfte berichtet, dass dieses Phänomen der Überbefürsorgung tatsächlich speziell bei Jungs-Müttern auffällt. So etwas bringt die Jungen in eine bequeme Anspruchshaltung, die ausgesprochen schlecht für die Schule ist.</p>
<p><strong>Bequemlichkeit ist bei Jungs ohnehin ein Thema. Ab 13 ist Chillen der wesentliche Tagesinhalt. Wie kriegt mein Sohn seinen Hintern hoch?</strong></p>
<p>Erst einmal ist Chillen biologisch notwendig. Für die Gehirnentwicklung ist die Pubertät eine Hochleistungsphase, die es einfach notwendig macht, zwischendurch abzuschalten. Das Problem ist heute, dass genau in dieser Phase elektronische Spiele so attraktiv werden, dass die Jugendlichen am liebsten jede freie Minute damit verbringen würden. Dann bekommt aber das Gehirn nicht die Erholung, die es bräuchte. Die Spiele sind so präzise auf zentrale Jungs-Themen ausgerichtet – Status bekommen, kämpfen, sich durchsetzen etwa –, dass die Jugendlichen förmlich darin versinken und von sich aus nicht mehr spüren, wann es eigentlich genug ist mit dem Spielen. Deshalb ist es eine der wichtigsten Aufgaben von Eltern während der Pubertät ihrer Söhne, das elektronische Zocken auf ein verträgliches Maß zu begrenzen.</p>
<blockquote class="left text-right"><p>Es eine der größten Liebesleistungen von Eltern, diese Konﬂikte über Jahre hinweg täglich auszuhalten</p></blockquote>
<p class="medium-margin-left"><strong>Genau das ist aber gar nicht so einfach. Der Streit ums Zocken und um Handyzeiten sorgt in Familien ja wirklich täglich für schlechte Stimmung.</strong></p>
<p>In der Tat ist es eine der größten Liebesleistungen von Eltern, diese Konﬂikte über Jahre hinweg täglich auszuhalten und durchzuhalten. Eltern sind oft der Meinung, dass die Beziehung zu ihrem Kind dann gut ist, wenn sie harmonisch ist. Das ist aber nur die eine Seite. Für viele Jungs ist die Konﬂiktbeziehung sogar die wichtigere. Denn in der Auseinandersetzung vertreten sie ihre eigenen Interessen, sie sind autonom und selbstständig. Das hat etwas Stärkendes. Gleichzeitig sind im Streit immer Gefühle involviert, und Gefühle sind Beziehungsträger. Insofern sind Konﬂikte, die offen und kultiviert ausgetragen werden, ein Zeichen für eine gute Eltern-Kind-Beziehung.</p>
<p><strong>Wann wird das für uns wieder entspannter?</strong></p>
<p>Oh, die Pubertät kann bei Jungen lange dauern. Aber der 18. Geburtstag ist bei vielen ein Einschnitt, ab dem sich die Beziehung wandelt. Dann sind sie oﬃziell erwachsen und eher bereit, sich auch erwachsen zu verhalten. Und in schulischen Dingen ist auffällig, dass viele Jungen kurz vor Schluss die Kurve kriegen. Viele lassen es lange schleifen, aber wenn der Abschluss ansteht, merken sie, dass sie jetzt wirklich was tun müssen. Dann sind wir Mütter und Väter ein Stück weit draußen, und die Jugendlichen machen ihr Ding selbst oder fragen Unterstützung an, wenn sie welche brauchen.</p>
<figure style="width: 600px" class="wp-caption alignright"><img decoding="async" src="https://www.magazin-schule.de/wp-content/uploads/2026/04/Reinhard-Winter-Buecher_Magazin-SCHULE.jpg" alt="Bücher von Reinhard Winter: &quot;Jungen &amp; Pubertät&quot; und &quot;Wie Jungen Schule schaffen&quot;" width="600" height="448" /><figcaption class="wp-caption-text"><strong>Buchtipps:</strong> In „Wie Jungen Schule schaffen“ (Beltz, 16,95 Euro) hilft Reinhard Winter Eltern, das Lernverhalten ihres Sohnes besser zu verstehen, und gibt viele nützliche Tipps, wie Jungs besser durch die Schulzeit kommen. Sein Buch „Jungen &amp; Pubertät“ (Beltz, 22 Euro) hat Winter der schwierigen Phase gewidmet, in der aus kleinen Rebellen große Revoluzzer werden.</figcaption></figure>
<p><strong>Puh, das klingt noch lange anstrengend. Haben Sie keinen einfachen Tipp, der Jungs das Lernen leichter macht?</strong></p>
<p>Hm, relativ schnellen Erfolg erreiche ich in meinen Beratungen mit dem sogenannten „Impression Management“. Der Begriff bedeutet die soziale Kompetenz, sich so darzustellen, dass man von anderen positiv bewertet wird – also, etwas platt gesagt, Eindruck zu schinden. Auch bei Lehrkräften. Das fällt Jungen oft schwer, und dabei können wir sie leicht unterstützen.</p>
<p><strong>Wie genau?</strong></p>
<p>Indem wir es ihnen erklären! Im Klassenzimmer schauen Jungs oft mehr auf sich selbst. Sie hören vielleicht durchaus zu, aber sie kritzeln oder starren vor sich hin und erwecken so den Eindruck, abwesend zu sein. Wenn ich mit Klassen arbeite, erkläre ich den Jungen, wie sie stattdessen Interesse signalisieren: die Lehrkraft ansehen, Blickkontakt suchen, nicken, vielleicht sogar lächeln. Dann noch im ersten Teil der Stunde einmal melden mit einer Frage oder einer Antwort, und schon ist der Eindruck ein ganz anderer.</p>
<p><strong>Das funktioniert?</strong></p>
<p>Und wie! Oft kommen die Lehrkräfte hinterher zu mir und fragen mich, was ich denn bitte mit ihren Jungs gemacht hätte: Die seien ja plötzlich so interessiert!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><small>Benachteiligte Jungs? – „Jungen tendieren zum Größenwahn&#8220; – Fotos: <a href="https://www.magnific.com/de/fotos-kostenlos/portraet-eines-teenagers-in-einem-weissen-t-shirt-der-mit-verschraenkten-armen-steht-getrennt-auf-einem-dunklen-hintergrund_25119318.htm" target="_blank" rel="noopener">Magnific</a>, Gudrun deMaddalena</small></em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/benachteiligte-jungen-wie-ticken-jungs-tendieren-zum-groessenwahn/">„Jungen tendieren zum Größenwahn&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.magazin-schule.de">Magazin SCHULE</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Julius Weckauf und Schule: „Dann stellt sich der typische Julius halt quer“</title>
		<link>https://www.magazin-schule.de/magazin/julius-weckauf-und-schule-dann-stellt-sich-der-typische-julius-halt-quer/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[magazinschule]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Jan 2026 13:37:37 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Hallo Julius Weckauf, du hast unserem Magazin vor vier Jahren schon einmal ein Interview gegeben. Jetzt wollte ich eigentlich daran anknüpfen und unsere Standard-Frage stellen: Wie war’s in der Schule? Aber ich glaube, die Frage hat sich erledigt, oder? Das Thema ist durch, in der [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/julius-weckauf-und-schule-dann-stellt-sich-der-typische-julius-halt-quer/">Julius Weckauf und Schule: „Dann stellt sich der typische Julius halt quer“</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.magazin-schule.de">Magazin SCHULE</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Hallo Julius Weckauf, du hast unserem Magazin vor vier Jahren <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/julius-weckauf-in-der-schule-kriege-ich-schon-doofe-sprueche/">schon einmal</a> ein Interview gegeben. Jetzt wollte ich eigentlich daran anknüpfen und unsere Standard-Frage stellen: Wie war’s in der Schule? Aber ich glaube, die Frage hat sich erledigt, oder?</strong></p>
<p>Das Thema ist durch, in der Tat.</p>
<p><strong>Du hast kürzlich deine Schulkarriere beendet, in der zwölften Klasse. In unserem letzten Gespräch wolltest du noch auf jeden Fall dein Abitur machen und dann weitersehen. Wie kam es zu dem Sinneswandel?</strong></p>
<blockquote class="right text-left"><p>Ich wollte etwas machen, bei dem ich am Ende definitiv ein Ergebnis sehe. <cite class="">Julius Weckauf</cite></p></blockquote>
<p class="medium-margin-right">Die Schule und ich, wir haben beide so ein bisschen gemerkt, dass wir keine Lust mehr aufeinander haben. Und dann kam eines zum anderen. Ich wollte arbeiten. Ich wollte etwas machen, bei dem ich am Ende definitiv ein Ergebnis sehe. Und ich wollte etwas machen, bei dem ich genau weiß, dass es mich für meine Zukunft weiterbringt.</p>
<p><strong>Das hast du in der Schule nicht mehr gefunden?</strong></p>
<p>Die Inhalte bis zur achten Klasse finde ich total in Ordnung und gerechtfertigt. Das sollte man alles lernen. Aber dann fängt es in manchen Fächern an, dass diese Zukunftsorientierung, die mir wichtig ist, verloren geht. Ich wollte immer einen Sinn sehen, und der war mir in vielen Fächern total klar. Aber in Mathe, Biologie, Chemie und Physik hat mir das gefehlt. Und dann stellt sich der typische Julius halt quer. Ich habe mir gedacht, es kann doch nicht sein, dass ich mich quäle und wegen solcher Fächer am Ende <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/gluecklich-ohne-gymnasium-alternativen/">doch nicht mein Abi</a> bekomme. Darum habe ich gesagt, komm, ich möchte praktische Erfahrung haben.</p>
<p><strong>Das war schon bei unserem letzten Gespräch ein Thema: Damals konntest du dir vorstellen, nach der Schule eine Bäckerlehre zu machen. Nun ist es doch etwas anderes geworden.</strong></p>
<p>Richtig, ich bin in die Schreinerei meines Bruders gegangen.</p>
<p><strong>Du hast offenbar eine Neigung zum Handwerk.</strong></p>
<p>Auf jeden Fall! Wie gesagt: Ich finde es am besten, wenn man am Ende sieht, dass man etwas Geiles geschaffen hat. Das gibt doch so gut wie jedem Menschen ein Gefühl von Bestätigung, und genauso ist es eben beim Schreinern. Eigentlich wollte ich nur zwei Monate bei meinem Bruder aushelfen, aber dann habe ich mich &#8217;n bisschen verliebt in das Ganze und bin fast elf Monate geblieben. Wir hatten ein ganz tolles Team mit netten Kollegen und haben total coole Projekte umgesetzt. Es war wirklich &#8217;ne richtig, richtig geile Zeit.</p>
<p><strong>Was waren das für Projekte?</strong></p>
<p>Wir haben zum Beispiel eine neue Küche für meine Mutter gebaut. Und dann einen ganzen Reiterhof mit vielen kleinen Küchen ausgestattet. Ansonsten viele Möbel. Was mein Bruder macht, ist immer total individuell, und das ist genau mein Ding. Du hast jedes Mal eine neue Herausforderung, weil es nicht heißt: „Ok, baue mal 20 Schränke und dann liefere die aus“. Sondern es gibt zum Beispiel Geheimfächer in einem Schrank. Ein anderer wird vielleicht aus besonderem Holz gemacht. Oder wir verwenden andere, spezielle Materialien. Es ist jedes Mal ein Einzelstück, ein kleines Meisterwerk. Was wir da machen, gab es vorher nirgendwo sonst auf dieser Welt, das ist einmalig. Und das ist einfach schön und cool.</p>
<p><strong>Etwas Neues machen, etwas, das sichtbar ist und mit dem du am Ende zufrieden sein kannst: So hättest du auch über die Schauspielerei oder deinen neuesten Film sprechen können.</strong></p>
<blockquote class="left text-right">
<p class="left">Ich sehe meinen Film und denke: Ok, Julius, du hättest dringend noch 10 bis 15 Kilo abnehmen müssen!<cite class="">Julius Weckauf</cite></p>
</blockquote>
<p class="medium-margin-left">Genau! Ich sitze am Ende im Kino, schaue mir den Film an und denke mir vielleicht: „Ok, Julius, du hättest dringend noch 10 bis 15 Kilo abnehmen müssen!“ Aber gleichzeitig denke ich auch, dass das vielleicht genau richtig war und es ein saucooler Film ist. Wobei, ganz ehrlich: Als Schauspieler und vor allem, wenn man mit seinen Kollegen im Kino sitzt, denkt man eher an die Sachen hinter dem Set. Natürlich finden wir alle den Film super, aber wir denken eher an die Zeit hinter den Kulissen. Die ist wirklich unvergesslich gewesen für uns alle drei.</p>
<p><strong>Zusammen mit Levi Brandl und Nevio Wendt hast du gerade „Die drei??? – Toteninsel“ abgedreht. Als ranker, schlanker Junge hättest du die Rolle als Justus Jonas vermutlich nicht bekommen.</strong></p>
<p>Wahrscheinlich nicht, aber ich versuche zumindest immer unter meiner persönlichen Schallmauer zu bleiben. Allerdings hatten wir am Wochenende Familienweihnachtsmarkt, und da gab es die einen oder anderen Reibekuchen und gebrannten Mandeln, und ich fürchte, die machen sich noch bemerkbar. Deswegen muss ich eventuell demnächst nochmal aufs Laufband, sonst sehe ich bei der Premiere unseres Films aus wie so ein aufgequollener Kuchen. Das versuche ich immer ein bisschen zu vermeiden.</p>
<p><strong>Na ja, jetzt gerade siehst du zumindest noch nicht aus wie ein aufgequollener Kuchen.</strong></p>
<p>Vielen Dank. Darauf gibt es gleich erstmal eine Pizza! (lacht)</p>
<p><strong>In dem aktuellen Teil der Serie mischt erstmals auch ein Mädchen mit. Das gefällt dir als Justus Jonas gar nicht, du bist ziemlich eifersüchtig. Im richtigen Leben hast du auch eine Frau an deiner Seite – fand die deinen Einsatz gut?</strong></p>
<p>Meine Freundin hat den Film noch gar nicht gesehen, genauso wenig wie ich. Aber keine Sorge, das findet sie auf jeden Fall ok. Komme, was wolle, meine Freundin steht wirklich total hinter mir und unterstützt mich. Genau wie meine Familie, das ist wirklich herrlich.</p>
<blockquote class="right text-left"><p>Einfach mal eine Weile offline sein, die Seele baumeln lassen – da habe ich total Lust drauf.<cite class="">Julius Weckauf</cite></p></blockquote>
<p class="medium-margin-right"><strong>Du bist ein Familienmensch, aber du bist jetzt auch 18 geworden. Hast du keine Lust, mal ein bisschen auszubrechen und große Pläne zu schmieden?</strong></p>
<p>Ach, an sich bin ich da ganz entspannt, ich komme ja beruflich viel rum. Worauf ich aber total Lust habe, ist mal für zehn Tage alleine abzuhauen in die Berge. Nichts als Natur, Wald und Wasser … Ich weiß, ich rede ja wirklich wie ein Wasserfall, aber sobald ich im Wald bin oder an einem See, ist bei mir wirklich Seelenruhe. Einfach mal eine Weile offline sein, die Seele baumeln lassen, ein bisschen nachdenken – da habe ich total Lust drauf.</p>
<figure style="width: 400px" class="wp-caption aligncenter"><img decoding="async" src="https://www.magazin-schule.de/wp-content/uploads/2026/01/Toteninsel_Filmplakat-Magazin_SCHULE.jpg" alt="Filmplakat: Die ??? - Toteninsel – Magazin SCHULE" width="400" height="566" /><figcaption class="wp-caption-text">In <strong>„Die drei ??? – Toteninsel“</strong> begibt sich Julius Weckauf als Justus Jonas mit seinen Freunden Peter Shaw und Bob Andrews auf die Spur eines mysteriösen Geheimbunds – und landet schließlich auf einer aktiven Vulkaninsel, von der es heißt, niemand kehre lebend von ihr zurück … Spannende Unterhaltung im Indiana-Jones-Stil! Der <a href="https://www.sonypictures.de/filme/die-drei-fragezeichen-toteninsel" target="_blank" rel="noopener">dritte Teil der Filmreihe</a> ist ab 22.1.2026 in den Kinos.</figcaption></figure>
<p>&nbsp;</p>
<p><small><em>Julius Weckauf und Schule: „Dann stellt sich der typische Julius halt quer“ – Fotos: Frank Wartenberg, Sony Pictures Entertainment</em></small></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/julius-weckauf-und-schule-dann-stellt-sich-der-typische-julius-halt-quer/">Julius Weckauf und Schule: „Dann stellt sich der typische Julius halt quer“</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.magazin-schule.de">Magazin SCHULE</a>.</p>
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			</item>
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		<title>Mehr Motivation für Mathematik: Erwisch’ sie, wenn sie gut sind!</title>
		<link>https://www.magazin-schule.de/magazin/mehr-motivation-fuer-mathematik-erwisch-sie-wenn-sie-gut-sind/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[magazinschule]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Oct 2024 19:33:43 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>„Setzen, Sechs.“ Mein Mathelehrer Herr Schwarz zückte seinen Füllfederhalter und schrieb mit roter Tinte die Note in sein ledergebundenes Notizbuch. Der Schüler, dem die Note galt, hatte bereits heulend den Raum verlassen, nachdem Herr Schwarz ihn vor der ganzen Klasse an der Tafel bloßgestellt hatte. [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/mehr-motivation-fuer-mathematik-erwisch-sie-wenn-sie-gut-sind/">Mehr Motivation für Mathematik: Erwisch’ sie, wenn sie gut sind!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.magazin-schule.de">Magazin SCHULE</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>„Setzen, Sechs.“ Mein Mathelehrer Herr Schwarz zückte seinen Füllfederhalter und schrieb mit roter Tinte die Note in sein ledergebundenes Notizbuch. Der Schüler, dem die Note galt, hatte bereits heulend den Raum verlassen, nachdem Herr Schwarz ihn vor der ganzen Klasse an der Tafel bloßgestellt hatte. Herr Schwarz war zeit seines Lehrerlebens stolz auf sein „Feingespür“, genau diejenigen Schülerinnen oder Schüler zu erwischen, die den Stoff nicht verstanden oder die Hausaufgaben nicht erledigt hatten. Diese Szene hat mich damals sehr beeindruckt. Negativ. Und einen kleinen Teil dazu beigetragen, dass ich nun selbst Mathelehrerin bin. Schlicht und ergreifend um es besser zu machen als mein Lehrer.</p>
<blockquote class="right text-left"><p>Es ist keine Kunst, Fehler aufzudecken</p></blockquote>
<p class="medium-margin-right">Auch ich freue mich, meine Schüler zu erwischen – allerdings dann, wenn sie gut sind. Denn es ist ja keine besondere Kunst, die Fehler und Schwächen unserer Mitmenschen aufzudecken; dafür muss man wirklich kein Pädagoge sein. Auch macht es Menschen nicht stärker, wenn man ihnen ständig ihre Unzulänglichkeiten vorhält. Im Gegenteil kann Kritik die Motivation von Schülerinnen und Schülern viel leichter zerstören als aufbauen – vor allem dann, wenn sie so destruktiv vorgetragen wird wie damals von Herrn Schwarz. Unwahrscheinlich, dass der bloßgestellte Schüler unter ihm seine Motivation für Mathematik entdeckt hat.</p>
<p>Und das führt zu dem bekannten &#8222;Matheproblem&#8220;. Wenn Menschen an mangelnde Motivation im Schulunterricht denken, dann denken sie oft zuerst an dieses Fach. Auch der Motivationscoach David Kadel hat sich <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/wie-kann-man-schueler-motivieren-doktere-nicht-an-schwaechen-herum/">in einem Interview hier im Magazin SCHULE</a> die Mathematik als Beispiel für ein Fach ausgesucht, durch das sich viele jahrelang bloß hindurchquälen. Warum ist das so?</p>
<h4>Motivation für Mathematik könnte so einfach sein</h4>
<p>Am Fach selbst liegt es zumindest anfangs nicht. Die meisten Kinder kommen noch motiviert aus der Grundschule an die weiterführende Schule, bei vielen ist Mathe sogar ein Lieblingsfach, denn Mathematik ist alltagsnah: Wir alle begegnen ihr täglich. Die meisten Kinder lösen auch gern Rätsel und Knobelaufgaben, und letztlich bedeutet das Lösen einer (komplexen) Matheaufgabe auch immer ein wenig Rätseln und Knobeln. Wenn es der Lehrkraft zudem gelingt, Mathematik anschaulich zu unterrichten und gut zu erklären, sollte es auch klappen, dass Kinder lange am Ball bleiben und dem Unterricht folgen.</p>
<blockquote class="left text-right"><p>Im schlimmsten Fall rauben die Eltern ihrem Kind die letzte Motivation</p></blockquote>
<p class="medium-margin-left">Dass sie Letzteres leider oft nicht hinreichend machen, hängt wiederum mit dem „Matheproblem“ zusammen. Wenn ich als Schülerin oder Schüler zu oft erlebe, dass ich an einer Aufgabe scheitere und eher meine Fehler als meine Stärken gesehen werden, komme ich irgendwann zu der Einstellung, dass ich das „ja eh nicht verstehen kann“. Im schlimmsten Fall wird mir der letzte Rest Motivation von meinen Eltern geraubt, mit dem womöglich hilfreich gemeinten Spruch, dass diese „Mathe früher auch nie mochten&#8220;. Und dann fällt mir das Verständnis tatsächlich schwer.</p>
<p>Geht es uns allen nicht genauso? Ich selbst möchte ja auch nicht (nur) an meinen Fehlern gemessen werden, sondern vor allem zeigen, was an Gutem in mir steckt. Das aber kann ich vor allem dann, wenn jemand an mich glaubt und mir die Möglichkeit gibt, mein Potential zu entfalten. Genauso geht es meinen Schülerinnen und Schülern auch. Aber wie kann das im Schulunterricht gelingen, in dem das Überprüfen und Abfragen von Wissen doch ein zentraler Bestandteil ist?</p>
<h4>Noten abschaffen? Das kann nicht die Lösung sein</h4>
<p>Ich will weder mündliche noch schriftliche Noten abschaffen. Im Gegenteil: Ich halte dieses Feedback, verknüpft mit erklärenden Worten, für wichtig, um sich weiterzuentwickeln. <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/schulnoten-wichtig-noten-helfen-sich-einzuschaetzen/">(An dieser Stelle habe ich schon einmal erläutert, warum Schulnoten helfen, sich einzuschätzen.)</a> Aber ich kann Freiräume schaffen und Möglichkeiten bieten. Daher gibt es in meinem Matheunterricht freiwillige Aufgaben von etwas größerem Umfang, die immer am Ende eines Monats abgegeben werden können. Die Schülerinnen und Schüler dürfen mir zeigen, was sie zu Hause in einem entspannten Umfeld ohne Zeitdruck oder gar Angst vor Kommentaren der Mitschüler geschafft haben. Diese Aufgaben benote ich (wohl wissend, dass die Bearbeitung auch mit Hilfe von von Eltern, Nachhilfe oder künstlicher Intelligenz erfolgt sein kann), berücksichtige die Ergebnisse bei der Zeugnisnote aber nur, wenn sie eine Verbesserung bedeuten.</p>
<blockquote class="right text-left"><p>Die schlechteste Note streiche ich nach dem Motto: Kann mal passieren!</p></blockquote>
<p class="medium-margin-right">Natürlich prüfe ich auch, was meine Schützlinge allein in einem vorgegebenem Zeitrahmen leisten. Regelmäßige Tests in Mathe zeigen den Kindern und Jugendlichen, was sie bereits gut können und wo sie noch Lücken haben. Wie bei Herrn Schwarz steht dann auch in meinem Notenbuch hin und wieder eine Sechs. Aber mit einem großen Unterschied: Bei mir wird am Ende des Halbjahres aus der Reihe an Testnoten die schlechteste gestrichen – ganz nach dem Motto: „Kann mal passieren“ statt „Wusste ich’s doch, dass du das nicht hinbekommst!“ Damit erhalten die guten Noten gleichzeitig mehr Gewicht.</p>
<p>In meinem zweiten Fach Biologie sind selbst erbrachte Zusatzleistungen ohnehin üblich. Oft möchten Schülerinnen und Schüler am Endes des Schuljahres ein Referat halten, um mir zu zeigen, was sie können (und – machen wir uns nichts vor – meistens auch, um eine schlechte Zeugnisnote abzuwenden). Eine schöne Gelegenheit, seine Fähigkeiten zu präsentieren. Aber wer erträgt schon 30 Referate am Stück? Ich ermuntere die jungen Leute daher, ein Referat dann zu halten, wenn es zum aktuellen Stoff passt. Oft finden sich in der Klasse Experten zu bestimmten Unterrichtsinhalten. Ihr Wissen dürfen sie gern vorstellen und zeigen, was sie drauf haben. Das nützt der Klasse und einer guten Note gleichermaßen.</p>
<p>Hat mein Mathelehrer nun damals als Lehrer alles falsch gemacht? Nein. Wie bei meinen Schülerinnen und Schülern hilft da eine wohlwollende Betrachtungsweise. Wenn ich mich an Herrn Schwarz erinnere, erwische ich auch ihn am liebsten bei dem, was er richtig gut gemacht hat: dem Organisieren von Wandertagen und -fahrten. Die waren immer klasse.</p>
<p><small><em>Mehr Motivation für Mathematik: Erwisch&#8216; sie, wenn sie gut sind! – Magazin SCHULE – Foto: </em><a href="https://de.freepik.com/fotos-kostenlos/lehrer-erklaert-dem-maedchen-in-der-klasse-die-lektion_10058814.htm" target="_blank" rel="noopener"><em>Freepik</em></a></small></p>
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		<title>Wie kann man Schüler motivieren? “Doktere nicht an Schwächen herum!”</title>
		<link>https://www.magazin-schule.de/magazin/wie-kann-man-schueler-motivieren-doktere-nicht-an-schwaechen-herum/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[magazinschule]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 Aug 2024 12:25:30 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Herr Kadel, Sie arbeiten viel mit Fußballern. Im Sport ist es nicht leicht, sich nach Niederlagen oder Erfolgen immer wieder neu zu motivieren. Wie gelingt den Profis das? Das Geheimnis ist einfach, dass sie das tun, was sie lieben. Ich selbst muss mich motivieren, wenn [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/wie-kann-man-schueler-motivieren-doktere-nicht-an-schwaechen-herum/">Wie kann man Schüler motivieren? “Doktere nicht an Schwächen herum!”</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.magazin-schule.de">Magazin SCHULE</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Herr Kadel, Sie arbeiten viel mit Fußballern. Im Sport ist es nicht leicht, sich nach Niederlagen oder Erfolgen immer wieder neu zu motivieren. Wie gelingt den Profis das?</strong></p>
<p>Das Geheimnis ist einfach, dass sie das tun, was sie lieben. Ich selbst muss mich motivieren, wenn ich meine Steuererklärung mache – weil ich das hasse. Aber wenn ich an meinem Buch über Kinofilme weiterschreiben soll, muss ich mich dafür nicht extra motivieren – weil das eine Leidenschaft von mir ist. Es geht also darum, im Leben das zu finden, was mir Spaß macht.</p>
<p><strong>Als Schüler muss ich allerdings viele Dinge tun, die mir keinen Spaß machen …</strong></p>
<p>Wenn ich an Schulen unterwegs bin, sage ich immer: Wenn dir <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/mehr-motivation-fuer-mathematik-erwisch-sie-wenn-sie-gut-sind/">Mathe keinen Spaß</a> macht, sieh zu, dass du dich durchschlängelst. Versuche, dich zu verbessern, aber doktere nicht an deinen Schwächen herum. Meine Philosophie ist: Konzentriere dich auf das, was du kannst! Wenn du eine gute Läuferin bist, lauf noch schneller. Wenn du gern Gitarre spielst, übe Gitarrespielen! Irgendwann bist du der Held am Lagerfeuer, und alle singen zu deinen Liedern mit. Im Englischen sagt man: „Where your focus goes, your energy flows.“ So bekommst du Freude und Lebensenergie, weil du merkst: Ich kann ja doch ein paar Dinge.</p>
<blockquote class="left text-right"><p>Es ist völlig ok, wenn du etwas nicht kannst. Konzentriere dich auf das, was du liebst</p></blockquote>
<p class="medium-margin-left"><strong>Am Ende steht aber die Mathenote im Zeugnis, nicht die im Gitarrespielen.</strong></p>
<p>Das stimmt, aber im Grunde ist in der Schule doch Überleben angesagt. Niemand muss über Nacht zum <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/1er-abi-schaffen-am-stundenanfang-kann-man-am-besten-punkten/">Einserkandidat</a> werden, eine Vier tut’s auch erst mal. Wie gern hätte ich als Schüler von einem Lehrer gehört: „Es ist ok, dass du in Mathe nicht gut bist. Dafür bist du in Musik gut und in Sport. Und Englisch kannst du auch ganz ordentlich.“ Ich glaube, wir sollten unsere Kinder immer wieder ermutigen, indem wir ihnen sagen: Es ist völlig ok, wenn du etwas nicht kannst – konzentriere dich auf das, was du liebst.</p>
<p><strong>Nehmen wir eine 14-Jährige, achte Klasse, gut in Sport. Fürs Training muss ich die nicht motivieren. Aber auf Schule hat sie keinen Bock. Wie bekomme ich das Kind trotzdem zum Arbeiten?</strong></p>
<p>Ich glaube, da ist das Belohnungsprinzip toll. Sagen Sie dem Mädchen: „Du willst dich doch heute mit deinen Freunden treffen. Wenn du jetzt gleich deine <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/hausaufgaben-elternfreie-zone/">Hausaufgaben</a> machst, hast du danach deinen Frieden – und einfach nur Spaß ohne schlechtes Gewissen!“ Dieses Bewusstsein muss man beim Kind schaffen: Es lohnt sich, ungeliebte Aufgaben gleich zu machen, weil es mir danach viel besser geht. Wenn das Kind das einmal gespürt hat, bekommt es viel leichter <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/aufstehen-vorbereiten-hausaufgaben-5-routinen-fuer-den-schulstart/">Routine</a> ins Lernen.</p>
<figure style="width: 420px" class="wp-caption alignright"><a href="https://www.studienkreis.de/infothek/gratis-broschueren/motiviert-zum-lernerfolg/" target="_blank" rel="noopener"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.magazin-schule.de/wp-content/uploads/2024/08/2024_Broschuere_Motivation_Cover_final_RGB_72dpi.jpg" alt="Cover Broschüre &quot;Motiviert zum Lernerfelg&quot; " width="420" height="595" /></a><figcaption class="wp-caption-text"><strong>Wie Schüler zu mehr Motivation finden:</strong> In der Broschüre &#8222;Motiviert zum Lernerfolg&#8220; gibt der Studienkreis Eltern und Kindern Tipps. <a href="https://www.studienkreis.de/infothek/gratis-broschueren/motiviert-zum-lernerfolg/" target="_blank" rel="noopener">Hier kann man die Broschüre kostenlos lesen und herunterladen</a></figcaption></figure>
<p><strong>Ich schubse also ein bisschen an und hoffe, dass das Kind von selbst weiterläuft?</strong></p>
<p>Ja, aber nicht mit Druck, <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/empathie-eine-superkraft-fuer-die-schule/">sondern mit Empathie.</a> Verkaufen Sie es als Experiment: „Probier das jetzt doch mal aus. Wenn es blöd war, darfst du es beim nächsten Mal anders machen.“ Sie können sicher sein, dass sich das Kind hinterher gut fühlt. Und dann loben Sie den Erfolg, dass es dieses Experiment tatsächlich geschafft hat. So merkt das Kind: Ich kann etwas, ich haben meinen Hausaufgaben-Dämon in den Griff bekommen und nicht er mich.</p>
<p><strong>Funktioniert das auch bei ungeliebten Schulfächern?</strong></p>
<p>Ja und nein. Ab einem gewissen Punkt braucht man dafür schon Unterstützung. Ich erinnere mich, meine Mutter hat mir mal Mathe-Nachhilfe verordnet. Das war mir total peinlich, zumal mein Nachhilfelehrer mein Mitschüler war.</p>
<p><strong>Wie unangenehm …</strong></p>
<p>Ganz schlimm! Aber in manchen Fächern wie Latein oder Mathe ist einfach irgendwann der Zug abgefahren. Ob Ablativ oder Bruchrechnung, wenn du da nicht dran bleibst, <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/nachhilfe-nehmen-was-sollten-eltern-beachten/">findest du den Anschluss alleine nie wieder.</a> Zum Glück hatte mein Mitschüler eine ganz lustige Art, und so habe ich Mathe recht bald kapiert. Von da an lief es von alleine besser. Mühselig, aber es ging.</p>
<p><strong>Oft braucht es nur ein kleines Erfolgserlebnis, um wieder motiviert zu sein.</strong></p>
<p>Genau: Sobald du etwas kapiert hast, bekommst du ein gutes Gefühl, und der Schrecken des Fachs schmilzt. Deswegen finde ich auch, dass in der Schule die Methodik viel zu sehr vernachlässigt wird. Wenn Kinder ein Fach nicht leiden können, muss man es ihnen mal ganz anders erklären. Wie der Lehrer im Film „Club der toten Dichter“, der aus Literatur ein Abenteuer macht. Wenn ich als demotiverter Schüler den Stoff aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachte, besteht immerhin die Chance, dass ich merke: Ist ja doch ganz interessant, das Fach.</p>
<blockquote class="left text-right"><p>Anerkennung bringt Menschen zur Höchstleistung. Das gilt für Leistungssportler genauso wie für Schüler</p></blockquote>
<p class="medium-margin-left"><strong>Wie machen Sie das selbst, wenn Sie zum Beispiel als Coach in Firmen arbeiten?</strong></p>
<p>Dort erzähle ich oft von dem Ergebnis einer Studie, dass Menschen, die von ihrem Job begeistert sind, um ein Drittel produktiver sind. Dann haben Manager gleich Dollarzeichen in den Augen: Ein Drittel mehr Produktivität! Fünf Prozent wären ja schon genial. Und so kommen wir zur Schlüsselfrage: Wie begeistern wir Menschen? Ich hatte die Ehre, viele Jahre lang mit Jürgen Klopp zusammenzuarbeiten, der ja an allen seinen Stationen als Trainer Begeisterung hervorgerufen hat. Wie macht der das? Er ist ein Meister der Wertschätzung. Menschen möchten gesehen werden, sie wollen Anerkennung. Das bringt sie zur Höchstleistung, den 50-jährigen Angestellten in der Firma genauso wie den 25-jährigen Fußballer oder den 15-jährigen Schüler.</p>
<p><strong>Also ein bisschen mehr Jürgen Klopp für unsere Schulen.</strong></p>
<p>Ja, aber nur den! Zum Fußball habe ich inzwischen eine Art Hassliebe entwickelt, weil Wertschätzung dort auf eine schreckliche Weise funktioniert: Liebe gibt es nur für Leistung. Wenn du als Stürmer ein paar Spiele lang keine Tore schießt, pfeifen dich die Fans aus und drohen damit, dein Auto zu verbrennen. Aber wenn du dann zweimal triffst, lieben dich wieder alle. Du erhältst Wertschätzung nicht als Mensch, sondern nur für Leistung. Das ist doch pervers.#</p>
<figure style="width: 548px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.magazin-schule.de/wp-content/uploads/2024/08/David-Kadel-Juergen-Klopp-c-privat.jpg" alt="Mentaltrainer David Kadel mit Jürgen Klopp" width="548" height="674" /><figcaption class="wp-caption-text"><strong>Er arbeitet als Mentaltrainer mit Fußballprofis,</strong> als Motivationscoach mit Managern und als Mutmacher mit Schülerinnen und Schülern: David Kadel kennt sich damit aus, wie man Menschen zu Höchstleistung bringt. Mehr Info zu ihm unter <a href="http://www.davidkadel.de" target="_blank" rel="noopener">davidkadel.de</a></figcaption></figure>
<p><strong>Viele fühlen sich dabei wohl an die Schule erinnert. Auch dort gibt es Anerkennung oft nur für Leistung.</strong></p>
<p>Ja, und genau das müssen wir ändern! Ich habe ein Mutmach-Buch mit dem Namen „Wie man Riesen bekämpft“ geschrieben und berate mit meinem Team Schulen dazu, wie wir Kinder ermutigen können. Für das Buch habe ich mit dem Schauspieler und Autor Samuel Koch gesprochen, der durch seinen Unfall in „Wetten, dass..?“ bekannt geworden ist. Der hat mir erzählt, wie er als Kind einmal mit einer Fünf in Mathe nach Hause gekommen ist und riesige Angst hatte, dass sein Vater ihm dafür den Kopf abreißt. Aber sein Vater ging mit ihm statt dessen in einen Spielzeugladen und kaufte ihm das teuerste Jojo, das es dort gab. Jojos waren damals eine große Sache. Als Samuel seinen Vater später fragte, weshalb er für eine schlechte Note so ein teures Jojo bekommt, antwortete der ihm: Deine Mutter und ich möchten dir damit sagen, dass unsere Liebe zu dir nichts mit deinen Noten zu tun hat. Wir lieben dich so, wie du bist, auch wenn du eine Fünf in Mathe hast.</p>
<p><strong>Da war er sicher platt.</strong></p>
<p>Das hat ihm natürlich immensen Rückenwind gegeben! Das motiviert mich extrem, dann gebe ich im Unterricht extra Gas, um von der Fünf sogar auf eine Drei zu kommen, alleine weil ich meinen Eltern etwas zurückgeben möchte. So etwas macht was mit dir als Kind.</p>
<p><strong>Nun haben wir über Jürgen Klopp und Samuel Koch gesprochen, und Sie könnten noch von vielen anderen Prominenten berichten. Wie wichtig sind solche Vorbilder für die Motivation?</strong></p>
<p>Aus meiner Sicht sind sie das Wichtigste. Wenn du unmotiviert bist, wenn du dich gefangen fühlst in deinem Leben, in deinem durchschnittlichen Dasein, dann hilft dir ein Vorbild sehr, daraus auszubrechen. Das können Prominente sein, aber auch andere Menschen, die dich inspirieren, einen Schnitt zu machen im Leben. Das ist dann der Moment, in dem du anfängst, über dich selbst nachzudenken, und erkennst: Mann, ich war mein halbes Leben lang faul – aber jetzt ändere ich mich, jetzt nehme ich mein Leben selbst in die Hand. Der Tennis-Star Novak Djokovic hat sich einmal mit einem gerade gewonnenen Pokal an junge Leute gewandt und gesagt: „Wenn du einen Traum hast, musst du ihn gießen!“</p>
<blockquote class="left text-right"><p>Wenn du deine Zeit nur mit dem Handy verbringst, wirst du nie wissen, wer du bist. Denn dafür muss man auch Stille aushalten.</p></blockquote>
<p class="medium-margin-left"><strong>Dafür braucht man allerdings zunächst einmal einen Traum.</strong></p>
<p>Ich glaube schon, dass die meisten Schülerinnen und Schüler einen Traum haben, etwas, das sie erreichen möchten. Aber ihnen fehlt die Motivation und die Ausdauer, dranzubleiben. Und dabei helfen mir Vorbilder, weil sie in mir Gedanken anstoßen.</p>
<p><strong>Welche Gedanken sind das?</strong></p>
<p>Sich selbst zu fragen: Was liegt denn im Weg, was stört meine Entwicklung? Warum bin ich nicht motiviert? Zu Schülerinnen und Schülern sage ich immer: Wenn du deine Zeit nur mit dem Handy verbringst, wirst du das nie wissen. Wenn du dich selbst kennenlernen willst, <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/nohandychallenge/">musst du auch Stille aushalten</a> – ohne in die digitale Welt wegzurennen. Mach doch mal was ganz verrücktes, etwas, das niemand macht in deinem Alter: Lies ein Buch! Nur wenn du Zeit mit dir selbst verbringst, wirst du wissen, wer du eigentlich bist. Und dann hast du auch kein Problem mehr mit der Motivation.</p>
<p><small><em>Schüler motivieren: “Doktere nicht an Schwächen herum!” &#8211; Foto: Astrid Ebert</em></small></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/wie-kann-man-schueler-motivieren-doktere-nicht-an-schwaechen-herum/">Wie kann man Schüler motivieren? “Doktere nicht an Schwächen herum!”</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.magazin-schule.de">Magazin SCHULE</a>.</p>
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		<title>&#8222;Unsere Kinder stehen halt auf Bildschirme&#8220;</title>
		<link>https://www.magazin-schule.de/magazin/unsere-kinder-stehen-halt-auf-bildschirme/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[magazinschule]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Mar 2024 14:14:37 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Herr Karsten, Ihr Sohn ist jetzt in der 5. Klasse. Wie läuft es denn so in der Schule? Sehr gut, das hatten wir gar nicht erwartet. Sein Jahrgang hat ja das ganze Corona-Chaos in der Grundschule mitgemacht, später hat dann seine Klassenlehrerin mitten im Schuljahr [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/unsere-kinder-stehen-halt-auf-bildschirme/">&#8222;Unsere Kinder stehen halt auf Bildschirme&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.magazin-schule.de">Magazin SCHULE</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Herr Karsten, Ihr Sohn ist jetzt in der 5. Klasse. Wie läuft es denn so in der Schule?</strong></p>
<p>Sehr gut, das hatten wir gar nicht erwartet. Sein Jahrgang hat ja das ganze Corona-Chaos in der Grundschule mitgemacht, später hat dann seine Klassenlehrerin mitten im Schuljahr gekündigt und die Klasse war ein halbes Jahr führungslos. Das hat der Motivation meines Sohnes beim Lernen nicht gerade geholfen. Am Ende der Grundschulzeit waren meine Frau und ich uns einig, dass er besser nicht gleich aufs Gymnasium, sondern erstmal auf eine Stadtteilschule geht. Und das war der richtige Schritt: Er hat jetzt ein <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/halbjahreszeugnis-schlecht-realistische-ziele-sind-wichtig/">Zwischenzeugnis</a> ohne Vierer, und vor allem macht ihm das Lernen Spaß.</p>
<p><strong>Kompliment! Viele Kinder tun sich ja erst einmal schwer mit den höheren Anforderungen an der weiterführenden Schule.</strong></p>
<p>Das haben wir schon auch gemerkt. Vor allem der Englischunterricht war deutlich ernsthafter als in der Grundschule. Zum Beispiel müssen die Kinder jetzt gewissenhaft die <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/vokabeln-spielend-lernen/">Vokabeln</a> in ihr Vokabelheft schreiben und konsequent für Tests lernen. Mein Sohn hat von einem Mitschüler erzählt, der dafür einen Karteikasten benutzt und jedes Mal anderthalb Stunden und einen Krampf in den Fingern braucht, bis er die Vokabeln auf die Karten übertragen hat. Da dachte ich mir: Das muss doch einfacher gehen.</p>
<p><strong>Und dann haben Sie für Ihren Sohn eine Vokabel-App programmiert.</strong></p>
<blockquote class="left text-right"><p>Apps mit Abo fand ich nicht so sexy</p></blockquote>
<p class="medium-margin-left">Genau. Zuerst habe mir angesehen, welche Lösungen schon so angeboten werden. Es gibt viele Apps und Websites, die sogar die Inhalte der Schulbücher vorhalten, aber immer mit Abos arbeiten. Letztlich müssen Sie dann jedes Jahr wieder die neuen Inhalte kaufen, sonst bringt das Ganze nichts. Das fand ich nicht so sexy. Deswegen habe ich für meinen Sohn den <a href="https://www.schulbro.de/" target="_blank" rel="noopener">SchulBro</a> gebaut. Die Website benutzen inzwischen auch viele seiner Freunde.</p>
<p><strong>Wie funktioniert das?</strong></p>
<p>Das Kind trägt einfach die neuen Vokabeln und ihre Übersetzung auf der Website in ein Formularfeld ein. Das System speichert die Vokabeln dann in einer Datei auf dem Rechner des Kindes. Auf diese Weise verwendet die Website keine persönlichen Daten, alles bleibt auf dem eigenen Rechner. Später zieht man die Datei wieder auf die Website und lässt sich abfragen – und zwar so lange, bis alle Vokabeln sitzen. Wird eine Vokabel nicht gewusst, kommt sie bei der nächsten Runde gleich wieder dran. Ganz so wie beim klassischen Vokabelkasten, nur eben digital. Vor Kurzem habe ich auch noch eine Diktat-Funktion auf die Website gebracht, die funktioniert ganz ähnlich.</p>
<figure style="width: 2560px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.magazin-schule.de/wp-content/uploads/2024/03/Karsten_Michael-Magazin-SCHULE-scaled.jpg" alt="Michael Karsten" width="2560" height="1706" /><figcaption class="wp-caption-text"><strong>Ein Tausendsassa als Papa:</strong> Michael Karsten ist IT-Berater, Coach, Website-Betreiber – und vor allem Vater eines Fünftklässlers. Für ihn hat er die Lern-Website &#8222;SchulBro&#8220; entwickelt. Jetzt freut er sich über weitere Nutzer und ihre Anregungen. Mehr zum SchulBro <strong><a href="https://www.schulbro.de/" target="_blank" rel="noopener">hier</a></strong> – und mehr zu Michael Karsten <strong><a href="https://www.karstenm.de/" target="_blank" rel="noopener">hier</a></strong>.</figcaption></figure>
<p><strong>Schnell mal eine Website zu programmieren wäre nicht meine erste Idee gewesen. Vermutlich sind sie von Fach?</strong></p>
<p>Ich bin selbstständig und unterstütze unter anderem kleine und mittlere Unternehmen bei ihren Internetauftritten. Außerdem arbeite ich als Coach und habe noch ein paar andere Projekte. Ich kann mir zum Glück meine Zeit sehr gut einteilen, im Gegensatz zu meiner Frau, die auch selbstständig ist und im Beruf viel mehr beansprucht ist als ich. Ich genieße das sehr, als Vater nah dran zu sein an der Entwicklung meines Sohnes, wir sind ein super Gespann.</p>
<p><strong>Sitzen Sie beim Lernen viel dabei, oder machen Sie eher Rufbereitschaft?</strong></p>
<p>Beim Vokabelnlernen muss ich jetzt erfreulicherweise überhaupt nicht mehr dabei sein. Mein Sohn hat von uns ein Einsteiger-Notebook bekommen und übt ziemlich autark. Seine Schule ist zum Glück sehr fortschrittlich und macht schon vieles digital, mit Tablets und Systemen wie <a href="https://anton.app/de/" target="_blank" rel="noopener">Anton</a> oder <a href="https://de.bettermarks.com/" target="_blank" rel="noopener">Bettermarks</a>. Aber bei anderen Themen bin ich schon noch dabei. Neulich zum Beispiel sollten sich die Schüler in das Thema Kuhmägen einarbeiten. Das haben wir mit Erklärfilmen auf YouTube gemacht, und dann achte ich darauf, dass die Inhalte richtig und geeignet sind.</p>
<p><strong>Digitales Lernen liegt Ihnen offenbar.</strong></p>
<blockquote class="left text-right"><p>Mein Sohn hat keine Lust, Lernfelder auf Papier zu malen</p></blockquote>
<p class="medium-margin-left">Auf jeden Fall. Mein Sohn hat nicht so viel Lust, zur Vorbereitung auf die Schule irgendwelche Lernfelder auf DIN A4-Papierbögen zu malen. Das macht er lieber am Rechner. Im Moment bringt er sich sogar mithilfe der Website <a href="https://www.typingclub.com/" target="_blank" rel="noopener">TypingClub</a> das Zehn-Finger-Schreiben selbst bei, damit er die Diktate auf SchulBro schneller schreiben kann. Natürlich geht Lernen nicht nur digital, aber es erleichtert schon vieles.</p>
<p><strong>Lenkt es Ihren Sohn nicht ab, wenn er vor seinem Laptop sitzt und  Internetzugang hat?</strong></p>
<p>Dafür hat er ganz klare Regeln, und die akzeptiert er auch. Die wichtigsten Websites habe ich ihm als Lesezeichen gesetzt, und er nutzt als Browser Bing statt Google, weil dort die Jugendfilter schärfer sind. Über Microsoft Family kann ich jederzeit sehen, was er am Bildschirm gemacht hat, und da war bis jetzt nie etwas Auffälliges dabei. Wir haben ein großes Vertrauenverhältnis, und ich glaube, mein Sohn überlegt sich sehr genau, ob er das für ein paar Klicks im Netz aufs Spiel setzen möchte. Man muss allerdings dazu sagen, dass er noch andere Bildschirmzeiten hat, etwa für die Spielekonsole oder das Handy. Das kommt oben drauf.</p>
<p><strong>Was würden Sie anderen Eltern raten, damit das Lernen entspannt funktioniert?</strong></p>
<p>Als allererstes: den Druck rausnehmen. So wir wie es bei der Schulwahl getan haben. Und dann überlegen, ob nicht auch alternative Lernwege Sinn machen. Auf YouTube gibt es zum Beispiel den <a href="https://www.youtube.com/@lehrerschmidt" target="_blank" rel="noopener">Lehrer Schmidt</a>, der erklärt sensationell gut Mathe und Lerntipps. Man findet im Internet im Grunde zu jedem Thema eine Lernunterstützung, wenn man mal keine Lust hat, wieder Schulbücher zu wälzen. Machen wir uns nichts vor: Die Generation unserer Kinder steht nun mal auf Bildschirme. Und dann kann so etwas deutlich zur Lernmotivation beitragen.</p>
<p><small><em>Fotos: <a href="https://de.freepik.com/fotos-kostenlos/junge-macht-seine-hausaufgaben-auf-einem-laptop-in-der-bibliothek_10354628.htm" target="_blank" rel="noopener">Freepik</a> / Privat</em></small></p>
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		<title>Sitzenbleiben schadet Kindern – und ist teuer für uns alle</title>
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		<dc:creator><![CDATA[magazinschule]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Feb 2024 10:30:26 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn ein Kind in zwei Fächern mangelhafte Noten hat, wird es eng: In allen deutschen Bundesländern können Schülerinnen und Schüler aufgrund schwacher Leistungen dazu verpflichtet werden, ein Schuljahr zu wiederholen. Sie müssen ihren Klassenverband verlassen und fortan mit den nachrückenden, ein Jahr Jüngeren lernen. Für [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn ein Kind in zwei Fächern mangelhafte Noten hat, wird es eng: In allen deutschen Bundesländern können Schülerinnen und Schüler aufgrund schwacher Leistungen dazu verpflichtet werden, ein Schuljahr zu wiederholen. Sie müssen ihren Klassenverband verlassen und fortan mit den nachrückenden, ein Jahr Jüngeren lernen. Für viele Kinder und Jugendliche ist das ihre ganze Schulzeit lang eine große Sorge. Und eine unnötige noch dazu: Denn Sitzenbleiben schadet in den meisten Fällen mehr, als es nützt – und es ist zudem teuer für uns als Gesellschaft. Das zeigt ein Blick auf den Stand der Wissenschaft.</p>
<h3>Sitzenbleiben soll Zeit geben – und die bisherige Klasse entlasten</h3>
<p>Die Befürworter von Klassenwiederholungen als pädagogische Maßnahme versprechen sich in der Regel davon, dass die betroffenen Schülerinnen und Schüler durch das Wiederholen der Unterrichtsinhalte ihren <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/die-21-gefaehrlichsten-lernluecken-deutsch-fremdsprachen/">Lernrückstand</a> aufholen. Auf diesem Weg sollen sie die Chance haben, im Lernstoff wieder Anschluss zu finden. In einigen Fällen erlaubt eine Klassenwiederholung auch, die Schulform zu sichern, also den Schulwechsel auf einen „niedrigeren“ Schulzweig (etwa vom <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/tschuess-gymnasium-hallo-glueck-3/">Gymnasium auf die Realschule</a>) zu vermeiden.</p>
<blockquote class="left text-right"><p>Unser Schulsystem ist auf homogene Lerngruppen ausgerichtet</p></blockquote>
<p class="medium-margin-left">Doch das individuelle Aufholen von Lernrückständen ist nicht das einzige Ziel von Klassenwiederholungen. Darüber hinaus soll der Ausschluss leistungsschwacher Schülerinnen und Schüler aus dem Klassenverband auch ein höheres Leistungsniveau in der ursprüngliche Klasse ermöglichen. Unser deutsches Schulsystem ist auf homogene Lerngruppen ausgerichtet. Verlassen die schwächsten Kinder die Klasse, werden die Leistungsunterschiede unter den verbliebenen geringer.</p>
<h3>Bei Klassenwiederholungen ist Deutschland in der EU-Spitze</h3>
<p>In Deutschland sind Klassenwiederholungen während der Grundschulzeit möglich, jedoch eher die Ausnahme. In der Sekundarstufe wird die Versetzung in die nächste Klasse durch das Leistungsniveau des Schülers oder der Schülerin bestimmt. Es gibt jedoch deutliche Unterschiede in den Regelungen und der Versetzungspraxis zwischen den verschiedenen Bundesländern. In Berlin beispielsweise sind Klassenwiederholungen nur in Ausnahmefällen erlaubt. Bayern dagegen hat die höchste <a href="https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Zahl-der-Woche/2024/PD24_04_p002.html" target="_blank" rel="noopener">Wiederholerquote</a> in ganz Deutschland: Im Schuljahr 2022/2023 haben dort 4,1 Prozent aller Schülerinnen und Schüler eine Klasse wiederholt.</p>
<figure style="width: 235px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.magazin-schule.de/wp-content/uploads/2024/02/Prof_Florian_Klapproth-Magazin_SCHULE-235x300.jpg" alt="Prof. Dr. Florian Klapproth – Magazin SCHULE" width="235" height="300" /><figcaption class="wp-caption-text"><strong>Florian Klapproth</strong> ist <a href="https://www.medicalschool-berlin.de/hochschule/unser-team/team-fakultaet-naturwissenschaften/professoren/prof-dr-habil-florian-klapproth/" target="_blank" rel="noopener">Professor für Pädagogische Psychologie</a> an der Medical School Berlin. Dort beschäftgt er sich unter anderem mit pädagogischen Urteilsprozessen wie z. B. Notengebung, Übergangsempfehlungen und Versetzungsentscheidungen sowie dem Einfluss von Stereotypen auf Entscheidungen von Lehrkräften. Zurzeit arbeitet er in einer europäischen Arbeitsgruppe zur Analyse von Klassenwiederholungen.</figcaption></figure>
<p>Nach aktuellen Daten aus der PISA-Studie 2022 haben in Deutschland knapp 20 Prozent aller 15-jährigen Schülerinnen und Schüler mindestens einmal eine Klasse wiederholt. Damit belegt Deutschland einen Spitzenplatz in Europa. Nur drei Länder  – Belgien, Niederlande und Spanien – weisen höhere Wiederholerraten auf.</p>
<h3>Sitzenbleiben ist nachweislich pädagogisch schädlich</h3>
<p>Die durchschnittliche Auswirkung einer Klassenwiederholung ist negativ, wie diverse Studien zeigen. Das Ausmaß des negativen Effekts lässt sich so formulieren: Im Vergleich mit ähnlich leistungsstarken Schülerinnen und Schülern, die versetzt werden, erzielen die Wiederholenden ungefähr drei Monate weniger Fortschritt in ihren schulischen Leistungen über den Verlauf eines Schuljahres. Damit ist die Klassenwiederholung eine der wenigen pädagogischen Maßnahmen, die nachweislich schädlich ist – zumindest im Durchschnitt.</p>
<blockquote class="left text-right"><p>Wiederholer nehmen häufiger Drogen und verdienen später weniger</p></blockquote>
<p class="medium-margin-left">Es liegen auch Hinweise darauf vor, dass sich Klassenwiederholungen negativ auf das Gesundheitsverhalten (z. B. Drogenkonsum) und die weitere Bildungskarriere der Schülerinnen und Schüler auswirken. So brechen Schülerinnen und Schüler ihre Schullaufbahn häufiger vorzeitig ab, erleben eher eine weitere Klassenwiederholung und erlangen weniger lukrative Berufe als ihre Mitschüler, die keine Klasse wiederholt haben.</p>
<p>Die durchschnittliche Gesamtauswirkung ist also negativ. Trotzdem legen einige Studien nahe, dass Schülerinnen und Schüler unter bestimmten Umständen von einer Klassenwiederholung profitieren können. Zum einen als kurzfristiger Effekt: Die <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/gerechte-noten-gibt-es-nicht/">Schulnoten</a> sind häufig in dem Jahr, das wiederholt wird, besser als im Jahr davor, so dass die Betroffenen unmittelbar nach der Wiederholung einen Leistungsgewinn verbuchen können. Allerdings hält dieser Vorsprung nicht lange an: Bereits ein weiteres Jahr später ist die positive Wirkung der Wiederholung verpufft.</p>
<p>Zum anderen kann Sitzenbleiben in Schulsystemen wirkungsvoll sein, in denen eher ein Gesamtschulansatz vorherrscht: Und zwar dann, wenn Wiederholungen mit konkreten Fördermaßnahmen verknüpft sind und nicht ausschließlich aus dem bloßen Wiederholen eines Schuljahres bestehen.</p>
<h3>Wiederholen verfestigt Bildungsungerechtigkeiten</h3>
<p>Liegen die Schulnoten in den Hauptfächern unterhalb der Bestehensgrenze (sind die Leistungen also „mangelhaft“), kann in Deutschland die Klassenkonferenz beschließen, dass eine Schülerin oder ein Schüler eine Klasse wiederholen muss. Es gilt also scheinbar das Leistungsprinzip. Doch tatsächlich bestimmt nicht nur Leistung darüber, ob jemand eine Klassenwiederholung antreten muss. Zahlreiche Studien belegen, dass auch leistungsfremde Faktoren die Entscheidung von Lehrkräften in Richtung Klassenwiederholung beeinflussen. Jungen zum Beispiel haben bei gleicher Leistung ein höheres Risiko für eine Klassenwiederholung als Mädchen, ebenso <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/bildungsfern-bildungs-anders/">Kinder mit Migrationshintergrund</a> und Schülerinnen und Schüler, deren Eltern ein geringes Einkommen haben. Damit trägt Klassenwiederholung auch zur Verfestigung von Bildungsungerechtigkeiten bei.</p>
<blockquote class="right text-left"><p>Auch freiwilliges Wiederholen hat langfristig keine Vorteile</p></blockquote>
<p class="medium-margin-right">In den meisten Bundesländern ist zudem das freiwillige Wiederholen auf Antrag der Eltern erlaubt. Ganz so freiwillig ist auch das freilich nicht, da auch der freiwilligen Wiederholung eher schlechte Schulleistungen zugrunde liegen und die Leistungsdefizite verringert werden sollen. Gründe für eine freiwillige Wiederholung können auch längere Fehlzeiten sein. Sie wird eher als die verordnete Wiederholung von den betroffenen Schülerinnen und Schülern als „zweite Chance“ aufgefasst. Dennoch zeigt auch das freiwillige Wiederholen nach aktueller Studienlage zumindest mittel- und langfristig keine Vorteile für die Schülerinnen und Schüler.</p>
<h3>Sitzenbleiber kosten uns eine Milliarde Euro – pro Jahr!</h3>
<p>Schülerinnen und Schüler, die eine Klasse wiederholen, werden in der Regel ein Jahr länger unterrichtet. Eine Untersuchung des Erziehungswissenschaftlers Klaus Klemm im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung hat 2009 ergeben, dass die Bundesländer für Klassenwiederholungen etwa 1 Milliarde Euro ausgeben – pro Jahr. Damit ist das Sitzenbleiben eine sehr teure pädagogische Maßnahme. Zu diesen von der Gesellschaft zu tragenden Kosten kommen noch die individuellen Kosten in Form eines verspäteten Berufseintritts hinzu – und damit wiederum geringere Zahlungen an Steuern und in die Sozialkassen unseres Staates.</p>
<h3>Das Ziel muss sein, dass alle Kinder das Klassenziel erreichen</h3>
<p>Angesichts der negativen Auswirkungen von Klassenwiederholungen auf die Schülerinnen und Schüler kann man Schulen nicht empfehlen, auf Sitzenbleiben zu setzen. Unter besonderen Umständen kann es für einen Schüler oder eine Schülerin vorteilhaft sein, ein Jahr zu wiederholen, beispielsweise wenn er oder sie aufgrund von Krankheit oder anderen Gründen eine längere Zeit den Schulunterricht versäumt hat. Doch auch in diesem Fall ist es entscheidend, dass die Wiederholung durch zusätzliche Unterstützungs­maßnahmen flankiert wird.</p>
<blockquote class="left text-right"><p>Zusätzliche Lernzeit kann helfen – auch in den Schulferien</p></blockquote>
<p class="medium-margin-left">Grundsätzlich jedoch sollten Lehrkräfte und Schulen alternative Maßnahmen in Betracht ziehen, um Schülerinnen und Schüler zu unterstützen. Das Ziel sollte nicht sein, die Schwächeren auszusortieren – sondern zu erreichen, dass alle Lernenden ihr Klassenziel erreichen. Eine wichtige Maßnahme dafür ist, den Leistungsschwachen zusätzliche Lernzeit anzubieten. Ein solches Lernangebot kann auch außerhalb des regulären Unterrichts erfolgen (zum Beispiel in den Schulferien). Außerdem können Methoden der Binnendifferenzierung (beispielsweise differenzierte Arbeitsaufträge, individuelle Lernzielgestaltung) dazu beitragen, dass jede Schülerin und jeder Schüler bestmöglich gefördert wird.</p>
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		<title>Halbjahreszeugnis schlecht? – &#8222;Realistische Ziele sind wichtig!&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[magazinschule]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Feb 2024 16:41:49 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Bin ich dabei, meine Lernziele zu erreichen? Oder reicht es bislang noch nicht? Zwischenzeugnisse sollen Schülerinnen und Schülern eine Rückmeldung darüber geben, wo sie stehen. Doch einen Motivationsschub bekommen nur diejenigen, die ohnehin gute Noten haben. Allen anderen Familien bringen sie vor allem Stress nach [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Bin ich dabei, meine Lernziele zu erreichen? Oder reicht es bislang noch nicht? Zwischenzeugnisse sollen Schülerinnen und Schülern eine Rückmeldung darüber geben, wo sie stehen. Doch einen Motivationsschub bekommen nur diejenigen, die ohnehin gute Noten haben. Allen anderen Familien bringen sie vor allem Stress nach Hause, wie eine Umfrage des Nachhilfeanbieters Studienkreis ergeben hat – und zwar nicht nur, wenn das Halbjahreszeugnis schlecht ausfällt: 17 Prozent der Eltern befürchten eine belastende Wirkung des Zeugnisses, obwohl nur 13 Prozent mit überwiegend schlechten Noten rechnen.</p>
<p>Kein Wunder also, dass Eltern wie Pädagogen immer wieder über <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/schulnoten-wichtig-noten-helfen-sich-einzuschaetzen/">Sinn</a> oder <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/noten-abzuschaffen-war-genau-der-richtige-schritt/">Unsinn</a> von Noten diskutieren. Aber was wäre die Alternative? Individuelle Rückmeldungen, findet der Pädagogische Leiter des <a href="https://www.studienkreis.de" target="_blank" rel="noopener">Studienkreises</a>, Max Kade: &#8222;Wenn sie gut gemacht sind, können sie besser vermitteln, wo sich die Schülerinnen und Schülern auf ihrem Lernweg befinden – und dass sie es schaffen können, auf diesem Weg noch weiter zu gehen, auch wenn sie vielleicht etwas länger dafür brauchen.“ Tatsächlich würden die Hälfte der Grundschuleltern und zwei Fünftel der Eltern mit Kindern in weiterführenden Schulen solche individuellen Rückmeldungen klassischen Zeugnisnoten vorziehen.</p>
<h3>Was tun, wenn das Halbjahreszeugnis schlecht ausfällt?</h3>
<p>In der Realität haben Eltern wie Kinder allerdings meist keine Wahl: Wenn ein Zeugnis hereinkommt, stehen zumindest in den höheren Klassen fast immer Noten darin. Was also tun, wenn das Halbjahreszeugnis schlecht ausfällt? Dazu haben wir Michael Storch befragt. Er hat war Englisch- und Sozialkundelehrer in München und hat als Beratungslehrer und stellvertretender Leiter der staatlichen Schulberatung jahrzehntelang Kindern und Eltern in Krisensituationen geholfen.</p>
<p><strong>Herr Storch, wie wichtig ist überhaupt so ein Zwischenzeugnis?</strong></p>
<p>Es ist eine Orientierungshilfe, ein Zustandsbericht zum Halbjahr.</p>
<blockquote class="right text-left"><p>Von drei gefährdeten Schülern erreichen zwei das Klassenziel</p></blockquote>
<p class="medium-margin-right"><strong>Der uns Eltern manchmal verzweifeln lässt. Kann es überhaupt ein Ansporn für Kinder sein, wenn das Zwischenzeugnis schlecht ausfällt?<br />
</strong></p>
<p>Durchaus. Einige fangen erst an zu lernen, wenn sie merken, dass es knapp wird. Von drei versetzungsgefährdeten Schülern erreichen erfahrungsgemäß zwei am Ende das Klassenziel. Aber es klappt natürlich nicht immer.</p>
<p><strong>Genau dieses Gefühl macht Eltern rasend: Unser Kind könnte, wenn es wollte – aber es tut nichts. Oder jedenfalls zu wenig. Was raten Sie als Schulberater?</strong></p>
<p>Reden. Am besten zuerst mit den betreffenden Fachlehrkräften. Wenn man weiß, wie die schlechten Noten zu Stande kommen, kann man<br />
Strategien festlegen – und zwar gemeinsam mit dem Kind. Das ist wichtig.</p>
<p><strong>Haben Sie ein Beispiel dafür?</strong></p>
<p>Manche Siebt- oder Achtklässler sind mit dem Zeitmanagement noch überfordert. Es fällt ihnen schwer, zwischen Schule und Fußballtraining die Hausaufgaben unterzubringen.</p>
<p><strong>Heißt das, Eltern sollen klare Vorgaben machen?</strong></p>
<p>Nicht Vorgaben, sondern Vorschläge. Die Ansage: „Du setzt dich sofort hin und lernst Mathe!“, provoziert Widerstand. Und ständige Ermahnungen wie „Hast du schon die Hausaufgaben gemacht?“ nerven. Der Nachwuchs schaltet auf Durchzug. Zeigen Sie ganz konkret: Vor dem Sport und nach dem Abendessen hast du Zeit zum Lernen. Das Kind darf entscheiden, muss sich aber an die Vereinbarung halten.</p>
<blockquote class="left text-right"><p>Nach einer Fünf ist eine Vier minus schon eine Verbesserung.</p></blockquote>
<p class="medium-margin-left"><strong>Und das funktioniert?</strong></p>
<p>Nicht immer. Seien Sie tolerant, und schrauben Sie die Erwartungen nicht zu hoch. Das Kind soll merken: Es ist machbar, ich kann es schaffen. Das gilt übrigens auch für den Lernstoff. Täglich zehn Minuten Vokabeln wiederholen ist sinnvoller als drei Stunden Pauken am Wochenende. Gerade für Kinder, die sich schwer motivieren können, sind realistische Ziele wichtig. Machen Sie Ihrem Kind immer wieder Mut, und loben Sie auch kleine Schritte. Nach einer Fünf ist eine Vier minus schon eine Verbesserung.</p>
<p><strong>Muss ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich mich beim Lernen nicht ständig danebensetze?</strong></p>
<p>Nein! Flächendeckende Elternhilfe oder Dauernachhilfe mögen gut gemeint sein. Aber die Eigenverantwortung bleibt auf der Strecke. Gerade die „Überversorgten“ entwickeln Prüfungsangst, weil zu Hause immer einer da ist, wenn’s hakt – nur bei der Klassenarbeit nicht. Diese Kinder kommen bei den einfachsten Aufgaben ins Schleudern.</p>
<p><strong>Was raten Sie?</strong></p>
<p>Als „Lern-Coach“ zur Verfügung stehen, wenn man gefragt wird, und mit befristeter Nachhilfe Lücken schließen. Das langfristige Ziel sollte sein, dass Kinder selbstständig lernen.</p>
<blockquote class="right text-left"><p>Ab der Zehnten wendet sich meist das Blatt</p></blockquote>
<p class="medium-margin-right"><strong>Und wie macht man das einem 14- oder 15-Jährigen klar, für den Schule ein rotes Tuch ist?</strong></p>
<p>Keine Frage, in der Mittelstufe stoßen Eltern und Lehrer oft an die Geduldsgrenze. Entwicklungspsychologisch ist es ungünstig, dass in der achten Klasse am Gymnasium Kernfächer wie Physik oder die dritte Fremdsprache dazukommen. Ab der Zehnten wendet sich meist das Blatt.</p>
<p><strong>Und bis dahin? Soll man etwa tatenlos zusehen, wie es immer weiter den Bach runtergeht?</strong></p>
<p>Auf keinen Fall. Auch wenn einem manchmal auf der Zunge liegt: „Mach doch deinen Mist alleine!“ Für die Jugendlichen bedeutet dieser Satz: Ist doch egal, was ich mache, es interessiert sowieso keinen. In dieser schwierigen Phase braucht Ihr Kind die Botschaft: Du liegst mir am Herzen, es interessiert mich, was du tust. Beziehen Sie Stellung, lassen Sie sich nicht zurückweisen.</p>
<p><strong>Was halten Sie von Belohnungsanreizen?</strong></p>
<p>Punktuell ja – etwa ein Kinobesuch für eine mühsam errungene Drei in Mathe. Aber nicht drei Euro für jede Zwei. Das ist inflationär.</p>
<p><strong>Kann freiwilliges Wiederholen sinnvoll sein?</strong></p>
<p>Den meisten Kindern gelingt es nicht, die Chance wirklich zu nutzen und Lücken zu schließen. In acht von zehn Fällen bringt es nichts.</p>
<p><strong>Was sagen Sie, wenn ein Schüler durchgefallen ist und die Versetzung wieder gefährdet ist?</strong></p>
<p>Ich frage, was er oder sie erreichen möchte. Manche sagen: „Ich will unbedingt auf dem Gymnasium oder der Realschule bleiben, etwas anderes kommt gar nicht in Frage.“ Meine Antwort: „Das wirst du nicht schaffen, wenn du nichts an deinem Lernverhalten änderst.“ Die meisten fangen dann schon an nachzudenken.</p>
<p><strong>Wenn Eltern das sagen, wirkt es nicht.</strong></p>
<p>Glauben Sie, meine eigenen Kinder hätten mir das abgenommen? Wenden Sie sich an den Beratungslehrer, die Schulpsychologin oder die Schulberatungsstelle. Vielleicht stellt sich in einem gemeinsamen Gespräch heraus, dass das Kind überfordert ist und ein Schulwechsel die „kindgerechtere“ Lösung wäre. Es gibt 25 Wege zum mittleren Schulabschluss und über 30 zur Hoch- und Fachhochschulreife. Wenn Eltern und Schüler das erkennen, sind sie oftmals schon enorm erleichtert. Das ist mein Ziel: das Licht am Ende des Tunnels aufzuzeigen. </p>
<p><em><small>Halbjahreszeugnis schlecht? – &#8222;Realistische Ziele sind wichtig!&#8220; – Foto: <a href="https://de.freepik.com/fotos-kostenlos/leute-im-buero_9723046.htm">Racool_studio</a> auf Freepik – Das Interview mit Michael Storch wurde 2011 geführt und der Artikel seitdem erweitert und aktualisiert. Das Datum oben bezieht sich auf die jüngste Aktualisierung. </small></em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/halbjahreszeugnis-schlecht-realistische-ziele-sind-wichtig/">Halbjahreszeugnis schlecht? – &#8222;Realistische Ziele sind wichtig!&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.magazin-schule.de">Magazin SCHULE</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wenn Zeugnisse Ärger machen: &#8222;Letztlich hilft nur Vernunft&#8220;</title>
		<link>https://www.magazin-schule.de/magazin/wenn-zeugnisse-aerger-machen-letztlich-hilft-nur-vernunft/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[magazinschule]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Jan 2024 11:15:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[paywall]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Frau Brosche, für viele Schülern bedeuten Zeugnisse Ärger. Kommt es vor, dass dabei Tränen fließen? Bei den Größeren an meiner Mittelschule ist das selten, dafür muss schon jemand die ­Abschlussprüfung vergeigen. Anders ist das bei den Grundschülern in unserem Haus, vor allem in der dritten [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/wenn-zeugnisse-aerger-machen-letztlich-hilft-nur-vernunft/">Wenn Zeugnisse Ärger machen: &#8222;Letztlich hilft nur Vernunft&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.magazin-schule.de">Magazin SCHULE</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frau Brosche, für viele Schülern bedeuten Zeugnisse Ärger. Kommt es vor, dass dabei Tränen fließen?</strong></p>
<p>Bei den Größeren an meiner Mittelschule ist das selten, dafür muss schon jemand die ­Abschlussprüfung vergeigen. Anders ist das bei den Grundschülern in unserem Haus, vor allem in der dritten und vierten Klasse. Dort lastet schon ein wahnsinniger Druck auf den Kindern, dass der Übertritt an eine höhere Schule klappt. Wenn dann Noten schlecht ausfallen, ist da sehr schlechte Stimmung.</p>
<figure style="width: 189px" class="wp-caption alignright"><a href="https://www.magazin-schule.de/wp-content/uploads/2018/02/Heidemarie-Brosche_Mein_Kind_ist_genau_richtig_Magazin-SCHULE-ONLINE.jpg" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.magazin-schule.de/wp-content/uploads/2018/02/Heidemarie-Brosche_Mein_Kind_ist_genau_richtig_Magazin-SCHULE-ONLINE-189x300.jpg" alt="Mein Kind ist genau richtig wie es ist von Heidemarie Brosche – Magazin SCHULE ONLINE" width="189" height="300" /></a><figcaption class="wp-caption-text">„Mein Kind ist genau richtig, wie es ist“: So lautet der Titel eines Buchs von Heide­marie Brosche. Die Autorin und pensionierte Pädagogin hat lange Zeit an einer Mittelschule in einem sozial schwachen Viertel in Augsburg gearbeitet. Sie hat drei Söhne. Mehr zu ihr und ihren Büchern unter <a href="http://www.h-brosche.de">www.h-brosche.de</a></figcaption></figure>
<p><strong>Druck ist dem weiteren Lernen ja nicht gerade zuträglich. Wie reagieren Eltern denn richtig auf ein schlechtes Zeugnis?</strong></p>
<p>Es ist sehr leicht zu fordern, dann Druck rauszunehmen. Natürlich werden Noten durch Druck so gut wie nie besser, sondern meistens ­schlechter. Aber ich erinnere mich an ­meine ­eigenen Söhne, bei denen wäre ich auch gern jederzeit gelassen und vernünftig gewesen. Und trotzdem bin ich regelmäßig in leichte Panik verfallen, wenn ich dachte: Mensch, der hat’s doch drauf, und jetzt hat er trotzdem diese Probe vergeigt, und dann kippt die Note im Zeugnis.</p>
<p><strong>Man kommt nicht leicht aus seiner Haut.</strong></p>
<p>Eben. Als Pädagogin müsste ich raten, sich selbst und dem Kind zu sagen: Beruhige dich, ist doch alles nicht wichtig. Aber ein bisschen wichtig ist es eben schon, auf welche Schulform mein Kind nach der Grundschule kommt. Und wenn ich das so sehe, wird mir mein Kind das anmerken, auch wenn ich es nicht so sage.</p>
<p><strong>Was kann ich stattdessen machen?</strong></p>
<blockquote class="left text-right"><p>Einerseits möchte ich den Faulpelz natürlich wachrütteln</p></blockquote>
<p class="medium-margin-left">Grundsätzlich finde ich wichtig, dass Eltern Zuversicht signalisieren: Du wirst deinen Weg machen, und wir stehen dir bei. Klar, wenn ich da einen begnadeten Faulpelz vor mir habe, ist dessen Zuversicht vielleicht sogar größer als meine. Das ist dann eine echte Gratwanderung: Einerseits möchte ich den Faulpelz wachrütteln, andererseits können Schreckens­szenarien bewirken, dass das Kind noch mehr Schwierigkeiten beim Lernen bekommt. Letztlich hilft nur Vernunft, und die bedeutet für mich: gelassen bleiben, stützen, stärken – auch auf anderen Gebieten. Nehmen Sie dem Kind nicht den Rest an Motivation, indem Sie es kleinmachen.</p>
<p><strong>Welche anderen Gebiete meinen Sie?</strong></p>
<p>Dinge, die mit Schule gar nichts zu tun haben. Jeder Mensch kann etwas gut, egal, ob das ein Musikinstrument ist oder Basteln oder ob sich jemand bei den Pfadfindern engagiert. So etwas verdient Wertschätzung, und die macht ein Kind oder einen Jugendlichen auch auf anderen Gebieten stark. Übrigens finde ich deshalb, dass Lehrkräfte ebenfalls nicht nur die unterrichtlichen Leistungen ihrer Schüler wahrnehmen sollten. Natürlich kann ich einem Kind keine bessere Note in Mathe geben, weil es zu Hause so schöne Autos bastelt. Aber wenn ich das weiß, sehe ich das Kind anders an und kann ihm eine ­andere Wertschätzung geben. Auch für die Lehrkraft sollte ein Schüler nicht nur Schüler, sondern Mensch sein.</p>
<p><strong>Auf andere Dinge zu blicken hilft, Noten wieder zu verbessern?</strong></p>
<blockquote class="right text-left"><p>Der Hype ums Zeugnis ist ja ein wenig künstlich</p></blockquote>
<p class="medium-margin-right">Ja, davon bin ich überzeugt. Vielleicht nicht sofort, aber auf Dauer, und das ist doch das Wichtige. Außerdem ist der Hype um so ein Zeugnis ja ein wenig künstlich: Das fällt schließlich nicht vom Himmel, sondern ist das Ergebnis eines halben Schuljahrs. Zwar erfahren Eltern oft nicht jede einzelne Note, aber eine Idee sollten sie schon haben, wo ihr Kind ­gerade steht. Und wenn nicht, können sie sich jederzeit von der Lehrkraft auf den neuesten Stand bringen lassen. Zwischen zwei Zeugnissen ein und desselben Kindes können schon mal Welten liegen, wenn sich da jemand wieder einkriegt.</p>
<p><strong>Die Frage ist, wie wir es hinbekommen, dass sich der Jemand wieder einkriegt?</strong></p>
<p>Die Frage ist: Will er oder sie das überhaupt? Ich habe wirklich alle ­Varianten schon gehabt: Mal will das Kind nicht so, wie die Eltern wollen, mal wollen beide bessere Noten, aber es klappt nicht. Und manchmal ist ­sogar das Kind ehrgeiziger als seine Eltern. Wenn nur die Eltern unzufrieden sind und das Kind mit seinen schulischen Leistungen eigentlich ganz glücklich ist, dann werden sie es nicht zu besseren Noten hinschimpfen oder hindrohen können, das funktioniert einfach nicht. Außerdem wollen Eltern doch nicht erreichen, dass ihr Kind nur unter Druck arbeitet.</p>
<p><strong>Das klingt ein bisschen fatalistisch.</strong></p>
<p>Nicht fatalistisch, sondern realistisch. Eltern können sehr wohl Impulse geben und ihrem Kind deutlich machen, dass sie ihm mehr ­zutrauen, als es im Moment zu leisten bereit oder in der Lage ist. Aber letztlich hat unser Einfluss Grenzen. Zeugnisse werden nicht dadurch besser, dass Eltern die Faulheit ihres Kindes beklagen und ihm sozialen Abstieg ­androhen. Im Laufe der Pubertät erholen sich die Noten oft, das Kind kann und will sich irgendwann wieder aufs ­Lernen konzentrieren. Wenn ich an mich als Mutter denke: Da ­hätte ich mir unzählige Worte sparen können, die mit Sicherheit mehr ­Unfrieden als Erfolg gebracht haben.</p>
<blockquote class="left text-right"><p>Einer meiner Söhne hatte einen echten pubertären Absturz</p></blockquote>
<p class="medium-margin-left"><strong>Es ist aber schon schwer zu ertragen, wenn man sieht: Mein Kind könnte, aber es hat schlicht keinen Bock und versaut sich so seinen Abschluss.</strong></p>
<p>Zugegeben, hinterher redet es sich immer leicht. Einer meiner Söhne hatte einen echten pubertären Absturz und hat von einem Tag auf den nächsten nichts mehr für die Schule gemacht. Ein Lehrer hat mich damals gefragt, ob ich mir vorstellen könne, ihn wiederholen zu lassen. Ich habe mich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, weil ich ihn für seine Faulheit nicht auch noch mit einem Jahr mehr Zeit belohnen wollte. Aber natürlich ist er trotzdem durchgefallen. Und tatsächlich: Ein Jahr später war er wieder bei sich und hat am Ende ein gutes Abitur gemacht.</p>
<p><strong>Also doch mehr Gelassenheit wagen, anstatt wegen der Zeugnisse Ärger zu machen?</strong></p>
<p>Ich habe wirklich noch nie ­gesehen, dass Noten dadurch besser ­geworden wären, dass der Druck erhöht wurde. Aber ich habe viele ­junge Menschen verzagen sehen. Bei meinem eigenen Sohn habe ich irgend­wann bemerkt, dass mein ganzer Druck und mein Gezeter nur bewirkten, dass er sich immer weiter von mir entfernte. In dem Moment hat bei mir die Liebe gesiegt, und ich habe akzeptiert, dass er jetzt nun einmal so ist und mein Mann und ich ihn trotzdem weiter begleiten werden. So sind wir immerhin wieder ins Gespräch gekommen.</p>
<p><strong>Wurden dann auch die schulischen Leistungen besser?</strong></p>
<blockquote class="right text-left"><p>Überlegen Sie einmal: Wie waren Sie selbst damals mit 12, 14, 16 Jahren?</p></blockquote>
<p class="medium-margin-right">Ja, aber vielleicht wäre der Entwicklungsschritt sowieso gekommen. So etwas wird man nie wissen. Was man aber wissen kann: dass ein ramponiertes Eltern-Kind-Verhältnis und ein ramponiertes Kind-Selbstvertrauen bleibende Folgen hat. Ein kleiner, aber feiner Geheimtipp: Versetzen Sie sich einmal in Ihr Kind hinein und überlegen Sie: Wie war ich selbst damals mit 12, 14, 16 Jahren? Was ging in mir vor? Was würde mir an der ­Stelle meines Kindes jetzt guttun? Was würde ich mir von meinen Eltern erhoffen, wie würde ich erwarten, dass man mit mir umspringt? Versuchen Sie hinter dem mürrischen Null-Bock-Gesicht die verletzliche Seele zu sehen, die von Ihnen geliebt werden möchte – bedingungslos, sprich: ohne die Bedingung „gute Schulleistung“. Ich bin der Meinung – und das ­Leben hat mich schon oft bestätigt –, dass Kinder, die nicht fremdgesteuert durch die Schule gehen, viel eher zu einem leistungsbereiten, selbst ­gesteuerten Leben finden.</p>
<p><strong>Und wenn das Kind doch auch selbst gern besser wäre?</strong></p>
<p>Dann sind die Probleme lösbar. Wenn das Kind nicht über- oder unterfordert scheint, sollte man mit den Lehrern sprechen, durchaus auch die Schüler selbst. Es ist allein schon psycho­logisch wichtig zu signalisieren: Ich bin leistungsbereit, ich möchte mich verbessern. Da nimmt einen die Lehrkraft gleich ganz anders wahr. Vielleicht gibt es auch die Möglichkeit, die Note durch eine mündliche Abfrage oder durch ein Referat zu verbessern. Und wenn die Schule kein individuelles Förderangebot hat, kann manchen Schülern zeitweise auch Nachhilfe durchaus helfen. Das gilt vor allem dann, wenn ein Kind große Lücken hat und Dinge schlicht noch nicht kann, die es längst können müsste. Da hilft es enorm, wenn sich jemand hinsetzt, um mit dem Kind in dessen Tempo diese Lücken wieder zu schließen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><small>Wenn Zeugnisse Ärger machen – Interview mit Heidemarie Brosche – Foto: Ulrich Wagner – Dieser Artikel wurde am 2.2.2018 erstellt und wird seitdem fortlaufend aktualisiert. Das Datum oben bezieht sich auf die jüngste Aktualisierung<br />
</small></em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/wenn-zeugnisse-aerger-machen-letztlich-hilft-nur-vernunft/">Wenn Zeugnisse Ärger machen: &#8222;Letztlich hilft nur Vernunft&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.magazin-schule.de">Magazin SCHULE</a>.</p>
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		<title>Schluss mit dem Stress in der Vorweihnachtszeit!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[magazinschule]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Nov 2023 13:47:04 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Schon im Juli weiß ich es, trotzdem: Die große Adventskalenderbastelei beginnt bei uns immer sehr pünktlich, nämlich kurz vor knapp. Am 30. November sitzen mein Mann und ich – sobald die Kinder schlafen – vor Bergen von Süßigkeiten- und Kleinkramgedöns und verpacken 72 Weihnachtsbeutel. Drei [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Schon im Juli weiß ich es, trotzdem: Die große Adventskalenderbastelei beginnt bei uns immer sehr pünktlich, nämlich kurz vor knapp. Am 30. November sitzen mein Mann und ich – sobald die Kinder schlafen – vor Bergen von Süßigkeiten- und Kleinkramgedöns und verpacken 72 Weihnachtsbeutel. Drei Kinder, drei Adventskalender: Das ist Fließbandarbeit. Einer packt, einer schneidet Bändchen, einer verknotet, einer hängt auf – das System funktioniert wortlos. Die bunten Adventskalenderwäscheleinen, die am Ende im Hausflur hängen, sind nicht nur der erste Haken auf der To-do-Liste, sondern auch mahnender Countdown für den Stress in der Vorweihnachtszeit. Achtung, nur noch 24 Tage!</p>
<p>In meinem Kopf läutet eine Glocke – ich fühle mich wie ein Boxer vor dem Kampf. Jetzt heißt es: Ärmel hochkrempeln, Pläne machen, effektiv sein, denn es gibt viel zu tun. Weihnachten ist schließlich keine Kleinigkeit. Schon ganze Familien sind daran zerbrochen. Ostern ist dagegen ein Klacks. Eier verstecken, pff. Das kann ja jeder.</p>
<h3>Studien zeigen: Vielen ist die Vorweihnachtszeit zu stressig</h3>
<p>Die Vorweihnachtszeit ist so eine Sache für sich. Auf der einen Seite ist sie wunderschön, denn sie weckt Kindheitserinnerungen und den Wunsch, wieder näher zusammenzurücken. Andererseits macht sie das Leben aber auch ganz schön turbulent. Studien zeigen: Viele Menschen empfinden die Adventszeit als stressig, fühlen sich <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/viele-schueler-machen-sich-selbst-druck/">unter Druck gesetzt</a> und durch die Vorbereitungen gehetzt. Wie ein süß-klebriger Zuckerguss legen sich die Erwartungshaltungen über den Familienalltag. Alles MUSS jetzt schön sein, besinnlich, duftend, liebevoll, feierlich!</p>
<p>Von allen Seiten bekommen wir über <a href="https://www.instagram.com/magazinschule/">Instagram</a> und Pinterest Deko-Ideen oder Rezepte für glutenfreie Kekse. Auf den Häuserdächern überbieten sich die Lichtinstallationen. Wir hören wieder „Last Christmas“, wühlen die Bastelscheren aus den Tiefen der Schubladen und kommen auf so seltsame Ideen, wie den Abstellraum oder die Garage aufzuräumen. Ist ja schließlich bald Weihnachten. Da soll es gut aussehen zu Hause! Dazu flattern die Einladungen ins Haus: Weihnachtsfeier in der Firma, im Sportverein, im Kindergarten, in der Schule. Freunde wollen noch mal vorbeikommen, „bevor die Feiertage anstehen“, und die Nachbarn fänden es schön, wenn sich alle noch mal auf einen Glühwein treffen. Den Familienkalender für die Adventswochen zu ­koordinieren erreicht Minijob-Volumen.</p>
<p>Das Hauptproblem des vorweihnachtlichen Trubels: Er findet leider parallel zum üblichen Alltagsstress statt. Unsere Arbeitgeber oder Schulleitungen interessiert es nämlich herzlich wenig, dass wir jetzt 24 Tage familieninternen Weihnachtswahnsinn pflegen, basteln, dekorieren und backen wollen. Wir müssen eben trotzdem noch arbeiten, zur Schule gehen, den Haushalt machen und pünktlich beim Klavierunterricht oder <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/schlau-durch-sport-die-beste-sportart-finden-fuer-mein-kind/">Fußballtraining</a> sein. Die Vorweihnachtszeit wird damit schnell zum organisatorischen Overkill. Bis zum ersten oder zweiten Advent kommen wir meistens noch ganz gut klar – wir freuen uns auf die schöne Zeit, sind motiviert und voller Tatendrang. Doch wenn die Einkaufslisten nicht spürbar kürzer werden und die Fluchtinstinkte in den überfüllten Innenstädten nur noch mit schlechtem Glühwein vertrieben werden können, zeigt sich der erste Vorweihnachtsfrust. Ach herrje, es gibt noch so viel zu tun. Wie sollen wir das schaffen?</p>
<h3>Unsere Ansprüche werden immer größer</h3>
<p>Hinzu kommt eine diffuse Anspruchshaltung, die knebelt. Vorbei die Zeiten, in denen man sich abends bei einem Glas Wein die Geschenkeflut im Internet einfach zusammenklicken konnte. Heute stehen Väter stundenlang in der Garage und basteln filigranes Holzspielzeug für den Nachwuchs. Für die Verwandtschaft wird Likör angesetzt und Marmelade eingekocht. Selbstgenähtes steht hoch im Kurs – kein vorweihnachtliches Müttertreffen mehr, an dem nicht die neuesten Pattydoo-Schnittmuster hin- und hergereicht werden: „Hier ist ’ne tolle Mütze! Hab ich auch für meine sieben Nichten und Neffen genäht. Geht auch ganz schnell!“</p>

<p>Wer in ist, verschenkt eben „Handcrafted“, mit Liebe gestrickt, geflickt, geklebt, gesägt. Das ist zweifelsohne ein wunderbares Zeichen gegen blinden Konsum, doch ich muss mich outen: Bei mir geht das nicht „schnell“, ich brauche dafür Zeit. Viel Zeit! Und am Ende wird doch nur alles auf den letzten Drücker gemacht, was in der Vorweihnachtszeit dann ungefähr so viel Stress erzeugt wie eine Pistole an der Schläfe. Ich erinnere mich mit Entsetzen an ein ­völlig übermüdet zusammengenähtes Herzkissen für meinen ­Vater, das ich am Heiligen Abend fast mit einem lauten Stöhnen übergeben hätte: „Hier isser, mein Sargnagel von letzter Nacht!“.</p>
<p>Halleluja! Und das, wo wir uns alle so nach Harmonie sehnen. Es ist eine Krux: Wenn der Baum dann endlich leuchtet, das Essen in der Küche brutzelt, liegen die Nerven schon längst blank. Kleinigkeiten können jetzt reichen, um Familienstreitereien vom Zaun zu brechen. Du hast keine Zitronen eingekauft? Der Baum ist krumm? Tante Irmela hat keine Weihnachtskarte bekommen? Alarm in Tüten. Durchdrehmomente. Und still und heimlich der leise ­Gedanke: Ist es endlich bald vorbei?</p>
<h3>Wir haben ein überzogenes Bild von der Weihnachtszeit</h3>
<p>Mal ehrlich: Das ist schon ziemlich verrückt. „Viele Menschen hetzen einem völlig überzogenen Bild von Weihnachten hinterher“, bringt es Anja Hume, Mental-Trainerin aus Düsseldorf, auf den Punkt. Die Expertin gibt dafür auch der Dauerberieselung durch mediale Bilder im TV, in Magazinen oder auf Werbeplakaten die Schuld. Familien mit Modelmaßen, die lachend an wundervoll gedeckten Tischen sitzen. Entenbraten mit perfekter Kruste, in den gefüllten Weingläsern spiegelt sich das Kerzenlicht. Mit Holzeisenbahnen spielende Jungs in weißen Hemden, Mädchen in Samtkleidern, die Flöte für den grau melierten Opa spielen, dessen Nickelbrille niedlich auf der Nasenspitze sitzt. Dazu: Berge von glitzernden Geschenken unterm perfekt ausgeleuchteten Weihnachtsbaum. O du fröhliche Photoshopwelt!</p>
<p>„Wer diese perfekte Inszenierung ins heimische Wohnzimmer holen will, macht sich Weihnachten zur Pflichtaufgabe. Harmonie und Zufriedenheit entstehen aber nicht auf Knopfdruck“, sagt Hume. Im Gegenteil: Je krampfhafter wir danach streben, alles perfekt werden zu lassen, desto weniger sind wir in der Lage, den Augenblick zu genießen. Die schönsten Momente entstehen eben immer dann, wenn wir am wenigsten damit rechnen. „Deshalb ist es so wertvoll, von äußeren Anforderungen auch mal Abstand zu nehmen“, sagt Hume und rät zur Devise: nicht alles müssen müssen. „Schauen Sie genau, was Ihnen und Ihrer Familie wirklich wichtig ist und wie Sie die Vorweihnachtszeit und das Weihnachtsfest bewusst nach Ihren Bedürfnissen gestalten.“</p>
<p>Weihnachtsentrümpelung! Das klingt gut, da will ich unbedingt mitmachen. Aber erst mal müssen jetzt die Adventskalender aufgehängt werden, und dann ist ja auch bald schon Nikolaus. Vielleicht passt es nach dem ersten Advent oder nach dem Basteln in der Grundschule. Spätestens nach dem Keksebacknachmittag mit meinen Freundinnen sollte ich Zeit haben, den Terminkalender zu kürzen. Ich schau mal, was sich machen lässt …</p>
<p><em><small>Schluss mit dem Stress in der Vorweihnachtszeit! &#8211; Illustration: Alexander Aczél</small></em></p>
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		<title>„Schulnoten helfen, sich einzuschätzen“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[magazinschule]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Sep 2023 08:27:18 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Frau Hagemann, kriegen wir heute die ­Mathearbeit wieder? Ist sie gut ausgefallen?“ Bereits auf dem Gang laufen mir aufgeregte Sechstklässler entgegen, einige mit sorgen-, andere mit erwartungsvollen Blicken. Sie sehen meine schwere Tasche, ich nicke, und schon rasen die kleinen Botschafter in die Klasse zurück: [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Frau Hagemann, kriegen wir heute die ­Mathearbeit wieder? Ist sie gut ausgefallen?“ Bereits auf dem Gang laufen mir aufgeregte Sechstklässler entgegen, einige mit sorgen-, andere mit erwartungsvollen Blicken. Sie sehen meine schwere Tasche, ich nicke, und schon rasen die kleinen Botschafter in die Klasse zurück: „Frau Hagemann hat die Mathearbeit dabei!“ Neben 25 Heften trage ich mit mir das Wissen herum, dass heute Nachmittag einige Kinder ein Eis mit drei Kugeln essen dürfen, andere hingegen erwartet zu Hause ein enttäuschter Blick oder im schlimmsten Fall <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/wenn-zeugnisse-aerger-machen-letztlich-hilft-nur-vernunft/">ein Haufen Ärger</a>. Und das alles nur wegen einer Zahl zwischen eins und sechs. Muss das wirklich sein? Sind Schulnoten wirklich so wichtig? Zumal ich zugeben muss: Ich korrigiere gern, denn es gibt mir ein Feedback, was meine Schülerinnen und Schüler wirklich verstanden haben. Aber: Ich hasse das Benoten!</p>
<blockquote class="right text-left"><p>Eigentlich hasse ich das Benoten!</p></blockquote>
<p class="medium-margin-right">Bei einer Mathearbeit gelingt es noch relativ gut, die Notengebung transparent und fair zu gestalten. Es gibt Punkte für den Rechenweg und das Ergebnis, und wenn man die Punktzahl in Excel eingibt, berechnet das Programm über den prozentualen Notenschlüssel die End­note. Doch selbst da kommen schon die ersten ­Proteste der Kinder: „In der Parallelklasse waren die Aufgaben viel leichter, und es gab auch keine einzige Fünf!“, ­kritisieren meine Schüler den Ausfall ihrer Arbeit. Das mag sein, aber weder sie noch ich waren im Unterricht der 6 b – möglicherweise war die Klasse noch nicht so weit im Stoff? Und vielleicht ist die Klasse ins­gesamt einfach leistungsstärker?</p>
<p>Mit den Noten für die Klassenarbeiten ist es aber nicht getan, die Lernenden erhalten zu Recht auch Rückmeldungen über ihre mündliche Beteiligung. Auch diese Schulnoten sind wichtig: In sie gehen Mitarbeit, Qualität und Quantität der Beiträge, die Bearbeitung der <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/hausaufgaben-elternfreie-zone/">Hausaufgaben</a>, aber auch soziale Aspekte wie Einsatzbereitschaft mit ein. Bekommt ein sehr guter Rechner, der jedoch ständig Papierkugeln durch die Gegend schnipst, eine mündliche Eins? Nein, urteile ich, auch wenn sich der Schüler darüber ärgert.</p>
<h3>Schulnoten sind wichtig, um die eigene Leistung einzuschätzen</h3>
<p>So schwer es mir auch fällt, Noten zu geben: Kinder und Eltern haben ein Recht darauf, über den Leistungsstand – in der Regel in Form von Noten oder Kreuzen in einem <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/operatoren-so-gehen-pruefungsfragen-heute/">Kompetenzraster</a> – informiert zu werden. Wie wichtig Schulnoten sind, musste zum Beispiel meine Schwester erfahren: Ihr Sohn erhielt in der Grundschule keine Noten und erledigte seine Aufgaben fast alle in der Schule. So wusste meine Schwester jahrelang nicht, dass ihr Kind kaum <a href="https://www.duden.de/sprachwissen/rechtschreibregeln">Rechtschreibregeln</a> beherrschte. Mit dem Wechsel auf die weiterführende Schule kam das böse Erwachen. Im Nachhinein hätten Mutter und Sohn sich eine etwas deutlichere Rückmeldung als „Jannes macht Fortschritte im ­Schreiben“ sehr gewünscht. Noten helfen Kindern einzuschätzen, wo sie stehen und wo sie Schwächen haben. Nur so ­können Defizite in Angriff genommen werden. Wenn die Eltern am Ende der Grundschulzeit das Zeugnis ihres Kindes lesen, sollten sie anhand der Noten eine Orientierung ­erhalten, welche weiterführenden Schulen infrage kommen.</p>
<blockquote class="left text-right"><p>Die Kunst besteht darin, nicht nur Noten zu vergeben</p></blockquote>
<p class="medium-margin-left">Die Kunst beim Notengeben besteht darin, die Note zu begründen und gegebenenfalls Vorschläge zu machen, wie es besser laufen kann. Fast immer gibt es auch etwas, was man loben kann, selbst wenn die ­Gesamtnote nicht gut ist. Wenn mich jemand lobt, bin ich eher bereit, auch die Kritik anzunehmen und daran zu arbeiten. Warum sollte es Kindern anders gehen? Und manchmal helfen auch aufmunternde Worte – nicht nur der Lehrkräfte. Eine Fünf unter einer Mathearbeit löst gerade bei jüngeren Schülerinnen und Schülern oft Tränen aus. Steht aber noch „Schade, nächstes Mal läuft es sicher wieder besser!“ darunter, fühlt sich das Kind verstanden und ein wenig getröstet.</p>
<p>Einmal habe ich einem sehr guten Schüler in Mathe mündlich eine Zwei statt der sonst für ihn üblichen Eins gegeben mit der Begründung, dass er häufig andere Schüler ablenkt. Im Gespräch stellte sich heraus, dass er sich einfach langweilte. Nun bearbeitet er immer dann, wenn er fertig ist, Zusatzaufgaben einer höheren Klassenstufe, ist wieder <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/motivation-keinen-bock-auf-schule/">motiviert</a> und lenkt niemanden mehr ab. Die Note und das Gespräch haben mir und dem Schüler geholfen, seine Bedürfnisse besser zu erkennen.</p>
<hr />
<h3 class="center">Newsletter</h3>
<p><em><strong><img decoding="async" class="alignright" src="https://www.magazin-schule.de/wp-content/uploads/2021/12/Newsletter-Magazin-SCHULE-300x173.jpg" alt="Newsletter Magazin SCHULE" />Interessieren Sie sich für Themen wie dieses?</strong> Mit dem Magazin-SCHULE-Newsletter informieren wir Sie einmal im Monat über die besten neuen Artikel, aktuelle Aktionen und Tipps der Redaktion. Und wenn Sie keine Lust mehr haben, können Sie den Newsletter jederzeit mit einem Klick wieder abbestellen. Versprochen. Jetzt anmelden:</em></p>
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<hr />
<p>Dies setzt allerdings eine Bereitschaft des Austauschs zwischen Lehrkraft, Eltern und Kind voraus. Dass das nicht immer klappt, weiß ich aus eigener Erfahrung: Als Fünftklässlerin habe ich mich, sportlich leider nie besonders talentiert, aber „stets bemüht“, wahnsinnig über die in meinen Augen ungerechte Drei im Zeugnis geärgert und ein halbes Jahr lang kein Wort mehr mit meiner Sportlehrerin geredet. Dummerweise hat diese das nicht einmal bemerkt, sodass sich weder etwas an meinem getrübten Verhältnis zur Lehrerin noch an meiner Note änderte. Frau Feger, es tut mir leid, heute bin ich klüger!</p>
<h3>Wenn alle eine &#8222;1&#8220; bekommen, sind die Guten die Deppen – und die Schlechten haben nichts davon</h3>
<p>Gern würde ich allen meinen Schülerinnen und Schülern gute und sehr gute Noten attestieren. „Geben Sie doch einfach ­allen eine Eins“, schlug mir ein Schüler nach einer hitzigen ­Besprechung der Biologieklausurnoten vor, weil die Klasse aus ihrer Sicht nicht wusste, „was die ­Hagemann hören will“, bzw. weil sie aus meiner Sicht die Aufgabenstellung nicht verstanden hatte. Hach, welch verlockendes­ Angebot. Schnell überall 15 Punkte ein­tragen, und ich habe eine zufriedene Klasse. Wirklich? Ist der Schüler, der vorher als Einziger 15 Punkte ­bekommen hatte, nicht jetzt der Depp? Seine individuelle ­Leistung zählt nun nichts mehr, er hätte weder lernen noch sich anstrengen müssen, wenn ohnehin alle die Bestnote ­bekommen.</p>
<p>Und die Schülerin, die vorher leider nur 0 Punkte ­unter der Klausur stehen hatte? Freut die sich wirklich? Ich glaube nicht. Die Note hat nichts mit dem zu tun, was sie geleistet hat, und vermutlich erkennt auch sie, dass sie die Note in keiner Weise verdient hat. Zudem suggeriert sie ihr, alles verstanden zu haben, was später bei der Abiturklausur verhängnisvoll sein könnte. Schülerinnen und Schüler schätzen es, wenn sie <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/gerechte-noten-gibt-es-nicht/">gerecht und fair beurteilt</a> ­werden, sie sind schließlich nicht blöd und wissen oft selbst ziemlich gut, was sie können und was nicht.</p>
<blockquote class="right text-left"><p>Mein Vorsatz: Erwisch sie, wenn sie gut sind!</p></blockquote>
<p class="medium-margin-right">Trotzdem möchte ich immer noch gern ­viele gute und sehr gute Noten vergeben. Entgegen irriger Schülermeinungen wollen Lehrer ihre Schützlinge nämlich nicht in die Pfanne hauen, um anschließend mit einem ­hämischen Grinsen eine rote Sechs in ihr geheimes ­Notenbüchlein einzutragen. Vor einigen Jahren habe ich einmal einen tollen Ratschlag erhalten, den ich mir seitdem zum Vorsatz mache: „Erwisch sie, wenn sie gut sind.“ Neben den ­Pflichtaufgaben wie Klassenarbeiten und kurzen Tests können meine Schülerinnen und Schüler zusätzlich Aufgaben abgeben und so eine positive Note bekommen. Dies kann beispielsweise eine freiwillige Monatsaufgabe, welche in meinem ­Unterricht die Hausauf­gabe ersetzt, oder die Abgabe eines nicht verpflichtenden Tests sein. Nicht selten sagen die Kinder dann nach der Bearbeitung dieser Aufgaben: „Jetzt hab ich es wirklich verstanden.“ Na bitte, mehr will ich doch gar nicht!</p>
<p><small><em>&#8222;Schulnoten sind wichtig, um sich einzuschätzen&#8220; – Foto: <a href="https://de.freepik.com/fotos-kostenlos/kinder-sitzen-am-schreibtisch_1249753.htm">Freepik</a></em></small></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.magazin-schule.de/magazin/schulnoten-wichtig-noten-helfen-sich-einzuschaetzen/">„Schulnoten helfen, sich einzuschätzen“</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.magazin-schule.de">Magazin SCHULE</a>.</p>
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