Kennen & Können

Operatoren – so gehen Prüfungsfragen heute

In Prüfungen stehen heute statt Fragen sogenannte Operatoren. Die kleinen Schlüsselwörter wirken harmlos – aber wer sie missversteht, hat notenmäßig ein Problem. Eine Übersetzungshilfe


Vieles ist noch genauso wie früher. Räume, Möbel, Lehrertypen, oft sogar die Bücher und Arbeitsblätter: Auf Eltern wirkt die Schule ihrer Kinder manchmal, als sei dort die Zeit stehen geblieben. Einiges an diesem Eindruck ist wohl wahr – und doch ist die Schlussfolgerung falsch. Denn die Anforderungen im Unterricht haben sich deutlich verändert – und das hat auch mit den so genannten Operatoren zu tun.

Nach der ersten Pisa-Studie, in der Deutschland ein schlechtes, einige Bundesländer sogar ein besonders schlechtes Zeugnis ausgestellt bekommen hatten, einigten sich die Kultusminister darauf, neue, gemeinsame Standards für den Unterricht zu entwickeln. Lehrpläne wurden aufeinander abgestimmt und meist durch „Bildungspläne“ ersetzt. Darin hatten die eigentlichen Lerninhalte einen geringeren Stellenwert als früher. Im Zentrum standen nun sogenannte Kompetenzen: Wichtig ist weniger, was die Schüler wissen, als das, was sie können sollen – frei formulieren etwa, Diagramme auswerten oder argumentieren.

Dass das durchaus ein Unterschied ist, merkt man auch an den Prüfungen. Darin wird heute kaum noch etwas gefragt: Wo früher „wie“ oder „welche“ stand, finden sich jetzt lauter Begriffe in Befehlsform. „Nenne!“, „erkläre!“, „beurteile!“: Moderne Aufgaben klingen oft etwas nach Kasernenhof. Aber diese Schlüsselwörter, Operatoren genannt, sind das Gegenstück zu den Kompetenzen, die Schüler im Unterricht erwerben sollen. Mit ihnen prüft die Lehrkraft, ob sie tatsächlich ein Diagramm auswerten oder Argumente formulieren können.

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  • Der Artikel über Operatoren ist neben vielen anderen Themen Teil der aktuell am Kiosk erhältlichen Print-Ausgabe 2/2016 von Magazin SCHULE. Unter anderem finden Sie hier Tipps für eine perfekte Prüfungsvorbereitung.

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„Erkläre folgendes Diagramm!“: Unterhalb dieser Anweisung kann zum Beispiel eine Kurve gezeigt werden, die den Verkauf von Schweinefleisch in Deutschland seit 1990 zeigt. Schüler sollen in diesem Fall die Kurve nicht nur in eigenen Worten beschreiben, sondern auch Gründe für deren Verlauf nennen – und zwar selbst dann, wenn sie im Unterricht nur den Kuhmilchkonsum durchgenommen haben.

Im Prinzip sind Operatoren also klare Handlungsanweisungen. Sie verraten, was die Lehrkraft vom Schüler erwartet: Wenn in der Aufgabe „nenne“ steht, kann eine Aufzählung genügen, auf „erkläre“ sollte man tunlichst in mehreren Sätzen antworten. Wer das nicht versteht, verschenkt Punkte.

Transparent wird auch der Anspruch einer Aufgabe. Ebenso wie Kompetenzen gliedern sich Operatoren in ein System von drei aufeinander aufbauenden Anforderungsbereichen: Im untersten Bereich geht es um eher einfache Aufgaben, wie etwas wiederzugeben, im zweiten muss das eigene Wissen in neue Zusammenhänge gebracht werden, und im dritten geht es ums Diskutieren, Interpretieren und Planen.

Schüler sollten also genau wissen, was Operatoren bedeuten. Auf den nächsten Seiten haben wir wichtige Schlüsselwörter zusammengefasst. Dabei kann die genaue Bedeutung eines Operators jedoch von Fach zu Fach variieren, ebenso wie der Anspruch einer Aufgabe. Wenn also am Ende bei einer Aufgabe Punkte fehlen, lohnt es sich, die Lehrkraft zu fragen, was sie zusätzlich erwartet hätte.



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