Was ist da dran?

TikTok – gefährlich oder nicht?

Von China aus erobert eine App die Welt, in der es vor allem um Tanz und Musik geht. Ja klar, auch ums Quatschmachen. Und natürlich ums Geldverdienen …


Die einen halten es für gefährlich, die anderen zumindest für ein chinesisches Abhörinstrument, aber die meisten – vor allem die jungen Leute – einfach für eine klasse Plattform, um sich der Welt zu präsentieren. Was ist dran an TikTok, dem (eigentlich gar nicht mehr so) neuen sozialen Netzwerk?

Rising Star(S)

„Jessica CaBH“ tanzt mit ihrem Welpen im Esszimmer, 823 000 Menschen gefällt das. „Jezz“ ist ein ganz normales Teenie-Mädchen, gerade macht es sich Schraubenzieher-Locken, und eine Million User lieben es dafür. „Caleb Natale“ wiederum liebt seinen Sohn Theo, seine Frau Karinna und kurze Videos mit Spezialeffekten – 233 000 Nutzer folgen ihm. „Aydon Holley“ springt scheinbar mit einem Salto auf die Schaukel, tatsächlich lässt er aber die 15 Sekunden nur rückwärtslaufen. Sieht trotzdem krass aus, außerdem sympathisch – 3,6 Millionen Herzen. Willkommen bei TikTok, dem nächsten heißen Scheiß unter den sozialen Medien.

Die Chinesen kommen!

Kurzvideos von Teenies zu poppiger Musik: Gab’s das nicht schon einmal? Stimmt, bereits vor einigen Jahren machte das Portal „Musical.ly“ mit dem gleichen Konzept Furore. Tatsächlich ist es sogar dasselbe: Im November 2017 kaufte die TikTok-Muttergesellschaft Bytedance das Portal und verschmolz es mit ihrer sehr ähnlichen, aber bis dahin nur in Asien bekannten App. Fast eine Milliarde Euro hat Bytedance bezahlt, aber inzwischen haben ebenso viele Menschen TikTok auf ihrem Handy installiert. Damit erobert erstmals ein aus China kommendes Netzwerk die Welt.

Leicht und seicht

Eines haben alle erfolgreichen Social-Media-Apps gemeinsam: Sie machen es ihren Nutzern leicht. Bei TikTok ist es gerade die Beschränkung auf maximal 15 Sekunden, die den Spaß bringt: keine Längen, keine Langeweile. So ein kurzes Video ist auch von Laien einfach zu produzieren, fix hochgeladen und schnell angesehen. Kurze Gags, sympathische Peinlichkeiten, ein flottes Lipsync-Tänzchen: Mit diesem Konzept können auch unbekannte TikToker große Reichweiten erzielen. Zumal der TikTok-eigene (natürlich geheime) Auswahlmechanismus anders als bei Instagram oder Youtube auch Newcomern manchmal erstaunliche Reichweiten beschert. Trotzdem sind die Stars der YouTube- und Influencer-Szene dort längst ebenfalls aktiv – auch weil auf TikTok der chinesische Markt nah ist.

Gefährliche Offenheit

Die Kehrseite des schnellen Spaßes: Wo alles flott gehen soll, ist wenig Zeit für ­Kontrolle. Und so hat TikTok, wie schon seine Vorgängerin Musical.ly, immer wieder Schwierigkeiten mit Jugendschutz, Mobbing und ­Pädophilie. Zwar ist die App erst ab 13 Jahren erlaubt, aber die Kontrolle ist leicht zu umgehen. Und übersieht eine Neun­jährige dann, ihren Account auf „privat“ zu stellen, kann ihr jeder beim Tanzen zusehen, ­hämisch kommentieren oder sie gar über die App ansprechen. Eltern sollten ­daher unbedingt die Accounts ihrer ­Kinder kontrollieren.

Zu schnell Erwachsen

Die meisten Videos auf TikTok sind für erwachsene Augen belanglos, albern und höchstens halb lustig. Perfekt! So bleibt der App noch eine Weile das Schicksal von Facebook erspart, wo sich so viele Eltern tummeln, dass die Teenies längst weitergezogen sind. Wie jung TikTok hingegen noch ist, zeigen gerade die unbestrittenen Topstars Lisa & Lena aus Stuttgart: Die Zwillinge haben ihren schockierten 32 Millionen Followern angekündigt, ihren Account zu löschen. Sie seien der Plattform „langsam entwachsen“. Zur Einordnung: Die beiden sind 16.



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