Ein Mädchen und ein Junge zeigen ihre Pflaster am Oberarm nach einer HPV-Impfung
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Gegen Krebs: Warum die HPV-Impfung wichtig ist – auch für Jungs

Humane Papillomviren können Krebs an Gebärmutterhals oder Penis auslösen. Deshalb empfiehlt die Ständige Impfkommission, alle Kinder zu impfen, nicht nur die Mädchen. Ein Überblick über die Diskussion


Soll ich mein Kind impfen lassen? Bietet die Impfung überhaupt Schutz? Oder stellt sie selbst auch eine Gefahr dar? Wenn es um das Thema Impfen geht, sind viele Eltern verunsichert. Dass Kinder gegen Masern, Keuchhusten oder Mumps geimpft werden sollen, sehen die allermeisten Mütter und Väter ein. An eine HPV-Impfung denken viele Eltern jedoch (noch) nicht – oder zögern aus Angst vor möglichen Nebenwirkungen.

Dabei sind nahezu alle Fälle von ­Gebärmutterhalskrebs auf Humane Papillomviren (HPV) zurückzuführen, von denen es unterschiedliche Typen gibt. Die Impfung schützt vor denjenigen HPV-Typen, die für bis zu 90 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich sind. Doch nicht nur das: Die Viren können auch Krebs an der ­Vagina oder der Vulva auslösen – und außerdem am Anus, am Penis oder im Mund-Rachen-Raum. Deshalb sind HPV bei weitem nicht nur ein Thema für Mädchen: Nach Angaben des Robert Koch-Instituts erkranken in Deutschland jedes Jahr etwa 6 250 Frauen und 1 600 Männer aufgrund von HPV an Krebs.

Am besten erfolgt die HPV-Impfung vor dem ersten Sex – zur Not aber auch danach

Trotzdem wurde die HPV-Impfung zunächst nur für Mädchen empfohlen. Schon seit 2018 gilt die Empfehlung der Ständigen Impfkommission aber auch für Jungen. Geimpft werden sollen Kinder und Jugendliche im Alter von neun bis 14 Jahren. Ein Nachimpfen ist bis zum 17. Lebensjahr möglich. In diesen Altersgruppen wird die Impfung von den Krankenkassen bezahlt.

„Versäumte Impfungen sollten so früh wie möglich nachgeholt werden“, betont Susanne Glasmacher vom Robert Koch-Institut. „Auch nach dem ersten Sex können und sollten ungeimpfte Mädchen oder Jungen noch gegen HPV geimpft werden.“ Selbst wenn es dann schon zu einer dauerhaften Infektion mit einem der Viren gekommen sein sollte, könne die Impfung trotzdem noch einen Schutz vor den anderen im Impfstoff enthaltenen HPV-Typen bieten.

Vielfältige Viren: HPV können von Warzen bis hin zu Krebs viele Folgen haben

Es gibt mehr als 150 Typen von HPV-Viren. Sogenannte Low-Risk-Typen wie HPV 6 und HPV 11 verursachen ansteckende Feigwarzen. Diese treten zum Beispiel an Scheide, Schamlippe, Glied, Damm oder Anus auf. Es handelt sich um stecknadel- bis mehrere Zentimeter große Papeln, die sich ausbreiten können – lästig, aber ungefährlich.

Das ist anders bei High-Risk-Typen wie HPV 16 und HPV 18. Bei einer Infektion mit diesen Typen können sich über einen längeren Zeitraum unterschiedliche Krebsarten entwickeln. Infiziert bleibt man mit HPV übrigens ein Leben lang: Auch wenn über Jahre hinweg keine Symptome auftreten, können die Viren plötzlich ihre Ruhephase beenden und sich im Körper wieder vermehren.

Je nach Alter der Kinder wird zwei- oder dreimal geimpft. Im Alter von neun bis 14 Jahren erhalten die Kinder zwei Impfdosen. Zwischen den beiden Impfungen sollen mindestens fünf Monate Abstand liegen. Ab dem Alter von 15 Jahren gibt es drei Impfdosen innerhalb eines Jahres. Laut Robert Koch-Institut wird derzeit keine Auffrisch­impfung empfohlen.

Der Düsseldorfer Kinderarzt und langjährige Bundespressesprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Hermann Josef Kahl, bezeichnet die Resonanz insgesamt als positiv. Seine Erfahrung aus der Praxis: „Vor allem Mütter sagen: Es ist Zeit, dass auch Jungs geimpft werden.“ Jungen können das Virus übertragen, aber sie können eben auch selbst erkranken.

Die HPV-Impfung gilt als sicher

Aber: Einige Eltern entscheiden sich auch, ihre Kinder nicht gegen HPV impfen zu lassen. „Eltern, die Impfungen ablehnen, haben Angst. Und diese Angst kann man ihnen in einem halbstündigen Gespräch meist nicht nehmen. Die Väter und Mütter besorgen sich entsprechende Argumente, und es ist ihnen egal, ob die Informa­tionen seriös sind“, sagt Kahl. So gibt es immer wieder Berichte über Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit nach einer HPV-Impfung. Solche Symptome sind jedoch sehr unspezifisch und treten in gleichem Maße auch bei Ungeimpften auf. In Japan wurden in den ersten Jahren nach der Einführung der Impfung auch Fälle schwerer Nebenwirkungen wie Krampfanfällen bei geimpften Mädchen diskutiert. Diese Vorwürfe wurden allerdings bald als Fälschungen entlarvt – trotzdem fiel die Impfquote in Japan rapide ab.

Doch auch in Deutschland ist die Impfquote noch relativ niedrig. Laut einer Auswertung des Robert Koch-Instituts waren 2025 nur 54,6 Prozent der 15-jährigen Mädchen und 34 Prozent der gleichaltrigen Jungen vollständig geimpft. Dabei betonen die zuständigen Behörden einhellig, dass die Impfung sicher sei. Zu diesem Schluss kommt sowohl die Weltgesundheitsorganisation als auch die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut und das Paul-Ehrlich-Institut, welches in Deutschland für die Impfstoffsicherheit zuständig ist.

„Die Sicherheit wurde in zahlreichen Studien mit Hunderttausenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern untersucht“, sagt auch Christine Winkelmann, Expertin für sexuell übertragbare Infektionen bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Dabei seien keine Belege für schwere, die Gesundheit nachhaltig beeinträchtigende Nebenwirkungen im ursächlichen Zusammenhang mit der HPV-Impfung festgestellt worden. Allerdings seien – wie bei anderen Impfungen auch – Nebenwirkungen wie Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle am Oberarm möglich. Auch werde einigen Jugendlichen bei der Impfung schwindelig.

Solche Begleiterscheinungen mögen unangenehm sein – im Vergleich zu den möglichen Folgen einer Infektion sind sie jedoch gering. Für Kinderarzt Kahl ist klar: „HPV kann zu Krebs führen, und wenn man das mit einer Impfung vermeiden kann, ist das ein Riesenvorteil.“



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