Hallo Julius Weckauf, du hast unserem Magazin vor vier Jahren schon einmal ein Interview gegeben. Jetzt wollte ich eigentlich daran anknüpfen und unsere Standard-Frage stellen: Wie war’s in der Schule? Aber ich glaube, die Frage hat sich erledigt, oder?
Das Thema ist durch, in der Tat.
Du hast kürzlich deine Schulkarriere beendet, in der zwölften Klasse. In unserem letzten Gespräch wolltest du noch auf jeden Fall dein Abitur machen und dann weitersehen. Wie kam es zu dem Sinneswandel?
Ich wollte etwas machen, bei dem ich am Ende definitiv ein Ergebnis sehe. Julius Weckauf
Die Schule und ich, wir haben beide so ein bisschen gemerkt, dass wir keine Lust mehr aufeinander haben. Und dann kam eines zum anderen. Ich wollte arbeiten. Ich wollte etwas machen, bei dem ich am Ende definitiv ein Ergebnis sehe. Und ich wollte etwas machen, bei dem ich genau weiß, dass es mich für meine Zukunft weiterbringt.
Das hast du in der Schule nicht mehr gefunden?
Die Inhalte bis zur achten Klasse finde ich total in Ordnung und gerechtfertigt. Das sollte man alles lernen. Aber dann fängt es in manchen Fächern an, dass diese Zukunftsorientierung, die mir wichtig ist, verloren geht. Ich wollte immer einen Sinn sehen, und der war mir in vielen Fächern total klar. Aber in Mathe, Biologie, Chemie und Physik hat mir das gefehlt. Und dann stellt sich der typische Julius halt quer. Ich habe mir gedacht, es kann doch nicht sein, dass ich mich quäle und wegen solcher Fächer am Ende doch nicht mein Abi bekomme. Darum habe ich gesagt, komm, ich möchte praktische Erfahrung haben.
Das war schon bei unserem letzten Gespräch ein Thema: Damals konntest du dir vorstellen, nach der Schule eine Bäckerlehre zu machen. Nun ist es doch etwas anderes geworden.
Richtig, ich bin in die Schreinerei meines Bruders gegangen.
Du hast offenbar eine Neigung zum Handwerk.
Auf jeden Fall! Wie gesagt: Ich finde es am besten, wenn man am Ende sieht, dass man etwas Geiles geschaffen hat. Das gibt doch so gut wie jedem Menschen ein Gefühl von Bestätigung, und genauso ist es eben beim Schreinern. Eigentlich wollte ich nur zwei Monate bei meinem Bruder aushelfen, aber dann habe ich mich ’n bisschen verliebt in das Ganze und bin fast elf Monate geblieben. Wir hatten ein ganz tolles Team mit netten Kollegen und haben total coole Projekte umgesetzt. Es war wirklich ’ne richtig, richtig geile Zeit.
Was waren das für Projekte?
Wir haben zum Beispiel eine neue Küche für meine Mutter gebaut. Und dann einen ganzen Reiterhof mit vielen kleinen Küchen ausgestattet. Ansonsten viele Möbel. Was mein Bruder macht, ist immer total individuell, und das ist genau mein Ding. Du hast jedes Mal eine neue Herausforderung, weil es nicht heißt: „Ok, baue mal 20 Schränke und dann liefere die aus“. Sondern es gibt zum Beispiel Geheimfächer in einem Schrank. Ein anderer wird vielleicht aus besonderem Holz gemacht. Oder wir verwenden andere, spezielle Materialien. Es ist jedes Mal ein Einzelstück, ein kleines Meisterwerk. Was wir da machen, gab es vorher nirgendwo sonst auf dieser Welt, das ist einmalig. Und das ist einfach schön und cool.
Etwas Neues machen, etwas, das sichtbar ist und mit dem du am Ende zufrieden sein kannst: So hättest du auch über die Schauspielerei oder deinen neuesten Film sprechen können.
Ich sehe meinen Film und denke: Ok, Julius, du hättest dringend noch 10 bis 15 Kilo abnehmen müssen!Julius Weckauf
Genau! Ich sitze am Ende im Kino, schaue mir den Film an und denke mir vielleicht: „Ok, Julius, du hättest dringend noch 10 bis 15 Kilo abnehmen müssen!“ Aber gleichzeitig denke ich auch, dass das vielleicht genau richtig war und es ein saucooler Film ist. Wobei, ganz ehrlich: Als Schauspieler und vor allem, wenn man mit seinen Kollegen im Kino sitzt, denkt man eher an die Sachen hinter dem Set. Natürlich finden wir alle den Film super, aber wir denken eher an die Zeit hinter den Kulissen. Die ist wirklich unvergesslich gewesen für uns alle drei.
Zusammen mit Levi Brandl und Nevio Wendt hast du gerade „Die drei??? – Toteninsel“ abgedreht. Als ranker, schlanker Junge hättest du die Rolle als Justus Jonas vermutlich nicht bekommen.
Wahrscheinlich nicht, aber ich versuche zumindest immer unter meiner persönlichen Schallmauer zu bleiben. Allerdings hatten wir am Wochenende Familienweihnachtsmarkt, und da gab es die einen oder anderen Reibekuchen und gebrannten Mandeln, und ich fürchte, die machen sich noch bemerkbar. Deswegen muss ich eventuell demnächst nochmal aufs Laufband, sonst sehe ich bei der Premiere unseres Films aus wie so ein aufgequollener Kuchen. Das versuche ich immer ein bisschen zu vermeiden.
Na ja, jetzt gerade siehst du zumindest noch nicht aus wie ein aufgequollener Kuchen.
Vielen Dank. Darauf gibt es gleich erstmal eine Pizza! (lacht)
In dem aktuellen Teil der Serie mischt erstmals auch ein Mädchen mit. Das gefällt dir als Justus Jonas gar nicht, du bist ziemlich eifersüchtig. Im richtigen Leben hast du auch eine Frau an deiner Seite – fand die deinen Einsatz gut?
Meine Freundin hat den Film noch gar nicht gesehen, genauso wenig wie ich. Aber keine Sorge, das findet sie auf jeden Fall ok. Komme, was wolle, meine Freundin steht wirklich total hinter mir und unterstützt mich. Genau wie meine Familie, das ist wirklich herrlich.
Einfach mal eine Weile offline sein, die Seele baumeln lassen – da habe ich total Lust drauf.Julius Weckauf
Du bist ein Familienmensch, aber du bist jetzt auch 18 geworden. Hast du keine Lust, mal ein bisschen auszubrechen und große Pläne zu schmieden?
Ach, an sich bin ich da ganz entspannt, ich komme ja beruflich viel rum. Worauf ich aber total Lust habe, ist mal für zehn Tage alleine abzuhauen in die Berge. Nichts als Natur, Wald und Wasser … Ich weiß, ich rede ja wirklich wie ein Wasserfall, aber sobald ich im Wald bin oder an einem See, ist bei mir wirklich Seelenruhe. Einfach mal eine Weile offline sein, die Seele baumeln lassen, ein bisschen nachdenken – da habe ich total Lust drauf.

Julius Weckauf und Schule: „Dann stellt sich der typische Julius halt quer“ – Fotos: Frank Wartenberg, Sony Pictures Entertainment









