Sex? Das hat noch Zeit – Magazin SCHULE
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Sex? Das hat noch Zeit

Generation konservativ: Jugendliche warten heute deutlich länger auf den oder die Richtige für den ersten Geschlechtsverkehr. Und die Eltern bleiben dabei ihre zentralen Ratgeber


„Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos“, klagten angeblich schon vor 4000 Jahren die babylonischen Chaldäer. Über den Sittenverfall von Jugendlichen konnten sich jedenfalls Eltern aller Zeiten schon ereifern. Umso erstaunlicher ist ein Trend, der diesem Reflex deutlich widerspricht: Unsere Kinder werden, was ihren ersten Geschlechtsverkehr betrifft, immer vorsichtiger. Noch 1998 hatten fast 30 Prozent der Mädchen ihr „erstes Mal“ mit 15 Jahren schon hinter sich – heute sind es nicht einmal halb so viele, nur 13 Prozent haben in diesem Alter schon mit jemandem geschlafen. Das geht aus der aktuellen Studie „Jugendsexualität“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) hervor.

Vor allem die Mädchen warten heute länger mit dem ersten Sex

Diese Entwicklung ist nicht einmal neu. Der Anteil der 14-Jährigen, die in ihrem jungen Alter schon Sex hatten, ist bereits seit 20 Jahren rückläufig. Das gilt für die Jungen genauso wie für die Mädchen. Ohnehin zeichnet es sich bereits seit längerem ab, dass der Unterschied zwischen den Geschlechtern, was den Beginn der Sexualität betrifft, kleiner wird. Das liegt vor vor allem an den Mädchen, die heute deutlich länger mit dem ersten Sex warten als noch vor 20 Jahren. Und so hat heute mit 16 Jahren jeweils ein Drittel der Mädchen und ebenso der Jungs den ersten Geschlechtsverkehr erlebt. Mit 17 Jahren sind es dann jeweils zwei Drittel.

Diese Aussagen gelten allerdings nur für Jugendliche deutscher Herkunft. Mädchen mit Migrationshintergrund halten sich mit ihrem ersten Mal deutlich länger zurück: Mit 17 Jahren hat erst ein gutes Drittel von ihnen diese Erfahrung gemacht, das sind nur etwa halb so viele wie bei den Mädchen deutscher Herkunft. Genau umgekehrt ist es mit den Jungen mit Migrationshintergrund: Unter ihnen gibt es deutlich mehr Frühstarter. Jeder Fünfte von ihnen, genau 21 Prozent, hatte schon mit 15 Jahren seinen ersten Sex – das sind mehr als doppelt so viele wie unter ihren deutschstämmigen Mitschülern. Allerdings ist dieser Unterschied schon ein Jahr später wieder ausgeglichen.

Die Eltern bleiben wichtige Ratgeber – und die Lehrkräfte auch

Noch ein weiteres beruhigendes Ergebnis zeigt die BzgA-Studie: Die eigenen Eltern bleiben für die Kinder zentrale Ratgeber in Sachen Aufklärung. Unter den Jugendlichen deutscher Herkunft zählten die Mädchen ihre Mutter, die Jungs ihren Vater am häufigsten zu den „wichtigsten Personen für die Aufklärung über sexuelle Dinge“. Ähnlich wichtig sind nur die beste Freundin bzw. der beste Freund. Und auch die Lehrkräfte dürfen sich freuen: Für immerhin gut ein Drittel der 14- bis 17-Jährigen sind sie wichtig bei der sexuellen Aufklärung.



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