Kennen & Können

Die 21 gefährlichsten Lernlücken – Teil 1: Sprachen

Seite 3/4: Lernlücken Latein

Lernlücken Latein

Lernlücken Latein – Magazin SCHULE online

Unser Experte: Dieter Schmidt-Burkhardt ist nach 40 Jahren im Schuldienst jetzt pensionierter Lehrer.

 

7. Keine Übersetzungstechnik

ab 1. Lernjahr
Notenfaktor: ★★★  Häufigkeit: ★★

Wenn Lateinschüler beim Übersetzen in Schwierigkeiten kommen, liegt es oft weniger an mangelnden Grammatikkenntnissen. Selbst schwierige Grammatik-konstruktionen verstehen die meisten früher oder später – aber sie finden sie in den Texten nicht wieder.

„Latein ist in besonderer Weise ein Augenfach“, erklärt der Lehrer Dieter Schmidt-Burkhardt. Mehr als in anderen Fremdsprachen komme es darauf an, genau hinzuschauen und die Bestandteile eines Textes präzise zu erfassen. Die Arbeit am und mit dem Text (die „Texterschließung“) sei die wesentliche Vorarbeit, das Übersetzen am Ende „nur der krönende Abschluss“.

Schmidt-Burkhardts Ratschlag: konsequent mit Farbe arbeiten. Er rät seinen Schülern, zunächst alle Verben grün zu markieren – am besten die Prädikatsverben fett (Textmarker), andere Verbformen wie z. B. Infinitive einfach grün unterstreichen. Dann gilt es, die Einleitungswörter von Nebensätzen (Relativpronomen, Subjunktionen wie quod, si, postquam) gelb hervorzuheben. „Mit dieser optischen Hilfe finden wir die Nebensätze, um letztlich darüber den Hauptsatz zu identifizieren“, so der Lehrer. Zum Schluss empfiehlt er, logische („und-“)Verknüpfer wie et, ac, atque, -que etc. rot hervorzuheben.

TIPP
Auch wenn die ersten Sätze noch einfach sind, sollten Schüler Texte von Anfang an strukturiert erschließen. Latein-Übersetzungsblätter müssen bearbeitet aussehen!

 

8. Unterschätzte Fachbegriffe

ab 1. Lernjahr
Notenfaktor: ★★  Häufigkeit: ★★

Latein-Coach Nikolaus Haeusgen - Magazin SCHULE
Noch nicht genug Latein-Lerntipps? Wir haben mehr davon: „Latein ist so einfach!“, behauptet Nikolaus Haeusgen im Interview mit dem Magazin SCHULE online

Lateinschüler lernen anfangs eigentlich zwei Sprachen: jene der alten Römer – und die der Grammatik. Viele der Fachbegriffe, mit denen man im Lateinunterricht erklärt und argumentiert, kennen die meisten Schüler nur oberflächlich. Es ist aber wichtig, auch diese Fachsprache zu erlernen. Wer Begriffe wie Subjunktion oder Partizip nur auswendig lernt, kann seinem Lehrer spätestens im zweiten Lernjahr nicht mehr wirklich folgen.

TIPP
Alte Weisheit: Nur was man selbst erklären kann, hat man auch verstanden. Was ist eigentlich dieser komische ablativus absolutus? Woran erkennt man ein participium coniunctum? Eltern sollten sich das von den Kindern erklären lassen.

 

9. Konjunktiv

2./3. Lernjahr
Notenfaktor: ★  Häufigkeit: ★★

Der Konjunktiv ist ein sprachlicher Stolperstein, das gilt für alle Fremdsprachen. Allerdings wird diese Form im Lateinischen ganz besonders vielfältig eingesetzt. Deswegen sollten sich Schüler früh abgewöhnen, einen lateinischen Konjunktiv automatisch in einen deutschen zu übersetzen – das geht fast immer schief.

Die wichtigste Faustregel für die ersten zwei bis drei Lateinjahre: Ein Konjunktiv im lateinischen Hauptsatz wird mithilfe von „wollen, sollen, mögen, können“ übersetzt. Konjunktive im Nebensatz werden zunächst NICHT konjunktivisch, sondern indikativisch übersetzt:

ut … possimus (Konjunktiv)
= ut … possumus (Indikativ)
= damit wir … können.

TIPP
Wer selbst kein Latein hatte, wird seinem Kind kaum beim Konjunktiv helfen können. Sinken die Noten, sollte man daher rasch das Gespräch mit der Lehrkraft suchen – und ggf. externe Hilfe in Anspruch nehmen.



Unsere Themen im Überblick

Kommentieren