Mädchen kat eine Lust auf Lernen und schaut auf sein Smartphone – Magazin SCHULE
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Keine Lust auf Lernen? Jetzt aber los!

​​Der Herbst ist Prüfungszeit in unseren Schulen. Aber vielen Schülerinnen und Schülern fällt es schwer, sich zum Lernen aufzuraffen. Wir zeigen, wie sie mental auf Erfolgskurs kommen


Der Herbst ist Prüfungszeit in unseren Schulen. Zwischen Oktober und Weihnachten sammeln die Lehrkräfte den wesentlichen Teil der Noten fürs erste Schulhalbjahr zusammen – das bedeutet Stress für viele Schülerinnen und Schüler. Aber viele haben einfach keine Lust auf Lernen.

Obwohl der Lernplan für die Woche steht, das Material bereitliegt und die nächsten zwei Stunden für ungestörtes Lernen frei sind: Manchmal scheint es unmöglich, ernsthaft mit der Arbeit anzufangen. Die Gedanken schweifen ab, das Smartphone verlockt zu einem kurzen Chat, kleine Aufgaben tauchen aus dem Nichts auf und werden schnell noch erledigt. So geht es eine Weile, und bald reicht schon das Geräusch des Laubbläsers zwei Straßen weiter, und wir lassen verzweifelt alle Hoffnung fahren. Es ist wie verhext, aber die Welt scheint sich wieder einmal gegen uns und unseren Lerneifer verschworen zu haben.

Aufschieberitis, Lustlosigkeit, Motivationstief: Alle Lernenden kennen diesen inneren Widerstand

Diesen scheinbar äußeren, aber in Wirklichkeit aus dem Inneren kommenden Widerstand kennt vermutlich jede Schülerin und jeder Schüler: als Aufschieberitis, als Lustlosigkeit, als Motivationstief oder gar als handfeste Sinnkrise. Manche kämpfen täglich damit, andere nur vorübergehend, aber tatsächlich ist innerer Widerstand ein normaler Bestandteil jedes größeren Projekts. Und erstaunlicherweise ist dieser innere Schweinehund umso größer, je wichtiger uns ein Ziel ist. Der Rat „Du musst einfach nur wollen!“ ist daher wenig hilfreich. Zum Glück gibt es aber auch handfeste Gegenmaßnahmen, die wirklich etwas bringen.

1. Motivation klären

Am besten lenkt man den Blick zunächst weg von den Hürden und Problemen und hin auf das große Bild: Was will ich erreichen? Warum ist es mir wichtig? Dadurch gerät das eigentliche Ziel ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Denn wer nur lernt, weil andere es von ihm erwarten, dem wird es auf Dauer sehr schwerfallen, sich aufzuraffen.

Wichtig ist daher die Klärung unserer eigenen Motivation: Vorteile, die uns ein guter Abschluss bringen könnte, eine berufliche Laufbahn, die wir dadurch verwirklichen könnten, oder einfach nur das Gefühl, die Schule hinter uns und mit einer Note abgeschlossen zu haben, die uns für die Zukunft möglichst viele Türen offenhält.

2. Erfolg in den Blick nehmen

Hilfreich ist es, sich das gewünschte Ergebnis als Nächstes auch bildhaft vorzustellen: das gute Zeugnis in der Hand, Lob und Anerkennung, der Start in die höhere Klasse, das erfolgreiche Vorstellungsgespräch. Erlaubt ist, was motiviert und auf die bestandene Prüfung folgt. Das schafft positive Gefühle, die uns helfen, die Widerstände zu überwinden.

3. Hindernisse abklären

Die Psychologin Gabriele Oettingen hat jedoch gezeigt, dass dieses positive Denken allein nicht ausreicht, um Ziele zu verwirklichen. Im Gegenteil, es kann sogar schaden: Sind wir zu euphorisch, raubt uns das die nötige Antriebskraft, weil wir uns einreden, wir hätten es ja schon fast geschafft.

Deshalb sollte jetzt in einem dritten Schritt unbedingt der gedankliche Kontrast mit Hürden und Widerständen erfolgen: Was bin ich bereit, für mein Ziel zu tun? Was steht dem im Weg? Welche Hindernisse tauchen auf? Nun dürfen und sollten wir intensiv über obige Widerstände nachdenken:

  • Reden wir uns ein, wir würden es sowieso nie schaffen? Dann fehlt es uns an Selbstvertrauen und Enthusiasmus.
  • Sind wir leicht ablenkbar und gehen lieber ins Kino, als zu lernen? Dann könnte mehr Disziplin helfen.
  • Schwankt unsere Leistung stark, weil wir immer wieder in lustlose Phasen geraten? Das heißt, wir brauchen mehr Durchhaltevermögen und Neugierde.

4. Plan machen 

An diesen fehlenden Tugenden lässt sich nun im letzten Schritt konkret arbeiten, am besten durch Wenn-dann-Vorsätze: Wenn ich mir schwierigen Stoff nicht zutraue, dann sehe ich mir an, was ich schon erfolgreich gelernt habe. Wenn Freunde einen Kinobesuch vorschlagen, der mit meinen Lernzeiten kollidiert, dann schlage ich einen anderen Termin vor oder sage ab. Wenn ich keine Lust zum Lernen habe, dann fange ich mit einem Thema an, das mich interessiert.

Gabriele Oettingen nennt diese Strategie „WOOP-Technik“: Auf das Vorstellen des Wunsches (Wish) folgen Ergebnis (Outcome), Hindernis (Obstacle) und Plan (Wenn-dann-Vorsätze). Ein Durchgang sollte nicht länger dauern als zehn Minuten, erhöht aber deutlich die Chancen, seine Ziele zu erreichen, wie Studien gezeigt haben. Welche Hindernisse und Vorsätze am besten passen, muss natürlich jeder für sich selbst klären.

Hier sind die wichtigsten Grundsätze fürs Lernen Lernen!

 

EXTRA: 5 Tipps gegen Hirn-Chaos

Was hilft sonst noch, um die inneren Widerstände gegen das Lernen zu überwinden? Hier sind fünf Ideen für Fortgeschrittene 

Kurzentspannung

Anspannung und Stress hemmen die Aufnahmefähigkeit. Um sich gut aufs Lernen einzustimmen, kann es also hilfreich sein, eine der vielen Kurzentspannungstechniken zu nutzen. Ob Atemtechnik, Muskelentspannung, Gedankenreise oder eine Kombination wie autogenes Training oder Yoga ist dabei relativ egal, Hauptsache, man lässt es sich gut erklären, um es rasch und effektiv für Einstieg und Lernpausen nutzen zu können.

Lernvertrag

Klingt seltsam, wirkt aber bei vielen Lernenden: Wer einen Vertrag mit sich selbst schließt und darin Ziele, eigenen Einsatz, gewünschte Hilfen und Etappenziele möglichst konkret aufschreibt, wappnet sich mit der Unterschrift gegen den inneren Schweinehund.

Rituale

Feste Angewohnheiten nehmen dem inneren Widerstand viel Wind aus den Segeln. Täglich pünktlich zur festgelegten Zeit durchlüften, Ablenkungen wegräumen, Material bereitlegen und den Lernplan checken, dann hat man die gefährlichsten Abzweigungen in Richtung Herumtrödeln schon umgangen.

Pomodoro-Technik

Noch ein Ritual, das Schülern besonders bei Startschwierigkeiten hilft: Ein Küchenwecker (zum Beispiel in Tomatenform, daher der Name) wird auf 25 Minuten gestellt. In dieser Zeit macht man sich nun mit voller Konzentration an die Arbeit, anschließend folgen fünf Minuten Pause. Weil der Einsatz zeitlich überschaubar ist, überwindet man den inneren Widerstand leichter.

Routine zuerst

Könner heben die harten Brocken für später auf. Den Anfang sollte eine leichtere, vielleicht sogar mit Freude lösbare Aufgabe machen, dann kommt man besser in Schwung und hat schon mal ein Erfolgserlebnis, das einen beflügelt.

„Keine Lust auf Lernen? Wie Schülerinnen und Schüler den inneren Widerstand überwinden.“ Foto: Magnific



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