Fröhliche Schüler im Unterricht: Was bringen Ferien-Lerncamps?
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Was bringt ein Ferien-Lerncamp für Schülerinnen und Schüler?

Lernen lernen in den Ferien: In einer Jugendherberge erwartet Schüler und Schülerinnen sieben Tage lang ein Mix aus Lerneinheiten und Freizeitaktivitäten. Bringt das etwas? Und haben die Kinder wirklich Freude dabei?


Herr Bauer, Sie veranstalten in der Jugendherberge Essen Lerncamps für Zehn- bis 15-Jährige in den Schulferien. Sind die Schüler und Schülerinnen nicht genervt, bei Ihnen auch noch in den Ferien lernen zu müssen?

Na ja, am Anfang braucht es fast immer eine Aufwärmphase. Aber sobald die Kinder und Jugendlichen erkennen, dass ihnen das, was wir tun, guttut und das Lernen erleichtert, sind sie engagiert und mit Spaß dabei. Außerdem wissen sie, dass die zweite Hälfte des Tages für Freizeitaktivitäten reserviert ist. Darauf freuen sie sich. Das motiviert sie. Ein Mädchen ist bereits zum vierten Mal dabei. Das Programm hat sie so begeistert, dass sie jetzt selbst im Team mitmachen möchte.

Wie läuft denn der Vormittag bei Ihnen ab?

Die Tage sind klar strukturiert. Jeden Morgen wecken wir die Kinder mit Musik, dann wird draußen mit einem Aufwärmspiel der Kopf aktiviert. Anschließend startet die Lerneinheit. Deren Ziel ist es, dass die Kinder sich selbst besser kennenlernen und erfahren, wie sie ihre Stärken nutzen können. Mithilfe unterschiedlicher Lernmethoden lernen sie schneller und leichter zu lernen. Da geht es einerseits um die richtige Zeitplanung und Selbstmanagement, andererseits um Lernstrategien, Mnemotechniken und Struktur.

Hätte ich damals meinen Lerntyp gekannt, hätte ich ganz anders gelerntDominic Bauer, Feriencamp-Leiter

Was lernen die Kinder konkret?

Fundamental wichtig ist, dass die Kinder herausfinden, welcher Lerntyp sie sind. Lernen sie besser durch Sehen oder Hören? Wie sehr hilft es ihnen, wenn sie etwas anfassen können oder über die Lerninhalte mit anderen sprechen? Da hat jede und jeder Einzelne einen individuellen Mix. Deswegen ist der Lerntypen-Test einer der zentralen Bausteine im Programmblock. Hätte ich damals als Kind schon meinen Lerntyp gekannt, hätte ich die ganze Schulzeit über anders gelernt.

Welche anderen Dinge bringen Sie den Teilnehmenden bei?

Ganz wichtig ist, dass wir den Kindern Struktur mitgeben – und dass wir ihnen diese Struktur auch erklären. Warum soll beispielsweise ein Rechenergebnis doppelt unterstrichen werden? Für derartige Erklärungen fehlt im Schulunterricht oft die Zeit. Wenn Kinder den Sinn hinter Strukturen erkennen, sind sie viel offener, sie zu akzeptieren und zu verinnerlichen. Jedes Kind muss für sich selbst eine Struktur entwickeln.

Sie haben auch von Mnemotechniken gesprochen. Was kann man sich darunter vorstellen?

Mnemotechniken sind Gedächtnishilfen. Eine ganz einfache Technik ist die sogenannte „Substitutions-Methode“. Anhand der Anfangsbuchstaben im Satz „Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel“ kann man sich zum Beispiel die Reihenfolge der Planeten ganz leicht merken: Von der Sonne aus sind das Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. Es geht aber nicht nur um Lerntechniken. Genauso wichtig sind die Konzentrations- und Entspannungsübungen. Viele Kinder benötigen Ruhephasen. Das berücksichtigen wir bei unseren Abläufen. Und deswegen kommt nach der Lerneinheit am Morgen auch immer der vergnügliche Teil.

 

Wie sieht der aus?

Jeden Tag anders. Die Kinder können sich auf viel Abwechslung freuen, wie zum Beispiel Geocaching im Wald, Fitness-Spiele, Nonsens-Olympiade, Bogenschießen, Slackline, Fußballspielen, Wasserschlachten oder auch mal Chillen am See. Wir setzen auch gerne Ideen der Kids um, sodass alle eine schöne Zeit haben. Und natürlich haben die Teilnehmenden auch Zeit für sich, gehen mit dem Ball auf den Fußballplatz oder spielen Verstecken auf dem großen Gelände. Letztlich machen wir Betreuenden den Kindern nur Angebote. Was genau die Kinder davon umsetzen, bestimmen sie weitestgehend selbst und stimmen sich dann untereinander ab. Wir geben ganz bewusst nur sehr wenige Regeln und einen Rahmen vor. So funktioniert das sehr gut.

Was passiert am Abend, gibt es da auch noch Programm?

Auch das ist unterschiedlich: Mal grillen wir, mal spielen wir, manchmal gibt es einen Disco-Abend oder wir schauen einfach mal einen Film. Und ganz zum Schluss wird es noch gemütlich: Aus den Erlebnissen des Tages entwickeln wir immer eine lustige Gute-Nacht-Geschichte, eine Art Heldenreise mit unseren Kindern als Hauptcharakter. Darüber sprechen wir anschließend. Manchmal sind wir bis Mitternacht mit den Kindern im Austausch über den Tag und viele andere Themen.

Dominic Bauer, erlebnispädagogischer Betreuer des Lerncamps
Dominic Bauer ist einer der erlebnispädagogischen Betreuenden des Ferien-Lerncamps „Fun2Learn – Lernen lernen: von Eselsbrücke bis Kopfkino“. Das siebentägige Programm für Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 15 Jahren bietet die Jugendherberge Essen zwei- bis viermal im Jahr zu unterschiedlichen Ferienzeiten an. Mehr Info unter www.jh-ferien.de

Das klingt nach einem anstrengenden Tag für Sie und die anderen Betreuungspersonen.

Das ist jedes Mal eine intensive Zeit. Aber für mich ist dieses Ferienprogramm eine echte Herzensangelegenheit. Meine Kollegen, Kolleginnen und ich sind ein eingespieltes Team, und wir haben selbst total viel Spaß an dem Programm. Jedes Kind bringt etwas Positives mit. Es ist immer wieder spannend zu erleben, wie sich die Kinder als Gruppe organisieren und wir mehr und mehr zu einer Einheit werden. Im sozialen Miteinander blühen die Kinder regelrecht auf. Mit neuem Selbstbewusstsein und dem richtigen Handwerkszeug im Gepäck fahren sie dann gestärkt wieder nach Hause.

Was bringt ein Ferien-Lerncamp für Schüler? – Fotos: Jugendherbergen im Rheinland; Privat



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