Zwei Schülerinnen unterhalten sich bei einer Sprachreise vor einem englischen Internat
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Schüler-Sprachreisen: Wieviel Urlaub darf es sein?

Sonne, neues Land und nette Leute – da kommt man schnell ins Quatschen. Und genau das ist das Ziel von Sprachreisen. Nicht alle Schüler verbessern durch zwei Wochen in England oder auf Malta ihre Englischnote, aber motiviert kommen fast alle wieder. Das sind die aktuellen Trends bei Schüler-Sprachreisen


Sprechen lernt man beim Sprechen. Das gilt für Kleinkinder ebenso wie für Schülerinnen und Schüler im Fremdsprachenunterricht. Doch leider drängeln sich die meisten Mädchen und Jungs nicht unbedingt vor, wenn sie im Englischunterricht einen Text diskutieren oder auf Französisch von ihren Wochenenderlebnissen erzählen sollen. Deswegen können viele zwar zwei Dutzend unregelmäßige Verben im Schlaf deklinieren, aber bekommen im Gespräch kaum einen geraden Satz heraus.

Aber was, wenn es gar nicht anders ginge? Wenn man sich auf Englisch verständigen müsste, um das nette Mädchen am Nebentisch oder den sympathischen Typen dort drüben anzusprechen? Wenn das Wetter doch eigentlich super, die Atmosphäre zwanglos, die Gelegenheit günstig wäre? Und die anderen auch nicht viel besser als man selbst sprechen würden? Dann, und das ist heute die Theorie hinter Sprach­reisen, bekommen auch Maulfaule nach und nach vernünftige Sätze heraus – und nehmen einen ganzen Batzen Erfolgserlebnisse in einer zuvor gefürchteten Disziplin mit nach Hause.

Sprachreisen sind heute mehr als Englischunterricht mit Strandanschluss

Tatsächlich haben sich Sprachreisen in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten vom Englischunterricht mit Strandanschluss zu einem vollwertigen Urlaub mit Mehrwert entwickelt. Die Anbieter achten heute da­rauf, dass ihre Kunden und Kundinnen Spaß bei der Sache haben, sich beim Kitesurfen, Reiten oder Kochen austoben können – und trotzdem einen echten Nutzen für Schule oder späteren Beruf aus ihrer Sprachreise ziehen.

Wie dieser Nutzen aussehen soll, kann dabei sehr unterschiedlich sein. Ältere Schülerinnen und Schüler möchten vielleicht ihre Sprachfertigkeiten auf die Berufswelt vorbereiten, während bei den ganz jungen ein erstes Hineintauchen in die fremde Sprache im Vordergrund steht. Entsprechend unterschiedlich sehen die Angebote aus. Hier sind die wichtigsten aktuellen Sprachreise-Trends:

Welches sind die aktuellen Trends bei Sprachreisen?

1. Sprachen und Ziele

Bei allem, was sich auf dem Sprachreisemarkt getan hat, ist eine Sache immer gleich geblieben: Die mit Abstand beliebteste Sprache ist Englisch. Kein Wunder, ist das Englische doch die wichtigste internationale Verständigungssprache der Welt. Und seit Jugendliche sogar freiwillig englischsprachige Videos auf TikTok oder YouTube ansehen, ist ihre Motivation noch gestiegen, mitreden zu können. (Hier sind die besten Lerntipps für Fremdsprachen)

Und auch das beliebteste Ziel für Englisch-Sprachlernenden ist unverändert: Großbritannien. Etwa die Hälfte aller Schüler-Sprachreisen führt dorthin. Die beliebten Seebäder im Süden Englands sind daher im Sommer weiterhin voll von deutschen jungen Leuten, was wiederum dem Fremd­spracherwerb nicht unbedingt zugutekommt.

Großbritannien bleibt beliebt – aber Malta holt als Reiseziel massiv auf

Doch seit dem Brexit hat die Insel auf der anderen Seite des Ärmelkanals deutlich an Attraktivität eingebüßt. Nach England zu reisen, ist für Deutsche heute aufgrund bürokratischer Hürden viel komplizierter, als innerhalb der EU zu bleiben. Auch der zwischenzeitliche Preisvorteil durch das schwächere Pfund hat sich weitgehend ausgeglichen. Deutlich beliebter ist hingegen Malta geworden – die Mittelmeerinsel mit Sonnenscheingarantie steuert inzwischen ein Drittel der Jugendlichen für seine Sprachreise an.

Die zweit- und dritthäufigsten Kurssprachen bei den deutschen Anbietern sind Spanisch und Französisch. Auch hierbei drängeln sich die meisten Schüler in wenigen beliebten Städten – mit den genannten Nachteilen und zu teils recht hohen Preisen. Denn die Metropolen wie Madrid und Paris sind allgemein sehr teuer geworden, und die Mittelmeerküste ist im Sommer auch bei normalen Urlaubern beliebt. Zum Glück gibt es auch hier Ausweichmöglichkeiten: Wer Spanisch lernen möchte und etwas mehr Zeit und Geld hat, findet in Südamerika ausgezeichnete Sprachschulen; und ein gutes Französisch spricht man auch im wallonischen Teil Belgiens.

 

2. Spaß, Sport und Spiel

Ein paar Stunden Sprachkurs am Vormittag, und dann ab zum Strand: Dieses klassisch einfache Programm wird immer noch häufig gebucht. Die Anbieter locken Kunden allerdings längst mit viel mehr: etwa mit Surfkursen, Reitstunden, Rafting-Ausflügen oder Kochworkshops. Immer häufiger stehen bei solchen Reisen die Aktivitäten sogar im Vordergrund, und die Fremdsprache wird ganz
nebenbei vermittelt – von den Trainerinnen und Trainern, aber auch durch die Kommunikation zwischen den Teilnehmenden. Angeboten werden solche Aktiv-Ferien mit Sprachprogramm nicht nur für Erwachsene, sondern auch schon für Schüler und Schülerinnen.

Ebenfalls im Trend sind Familien-Sprachreisen. Wer möchte, besucht dabei zu seinen Vorkenntnissen passende Kurse oder ein anderes Programm; und auch am Nachmittag können die Familien gemeinsam oder getrennt an Aktivitäten teilnehmen oder sich selbst überlegen, wie sie ihre Zeit gestalten. Wer es spezieller mag, bucht seinen Familienurlaub sogar in außergewöhnlicher Kulisse, etwa mit Sprachunterricht und Sportaktivitäten in den alten Gemäuern englischer Colleges, Harry-Potter-Flair inklusive.

 

3. Nischen und Nutzen

Auch wenn bei vielen Angeboten der Spaß immer mehr in den Vordergrund rückt: Die meisten Buchenden wollen am Ende doch sicher sein, dass sich ihre Reise auch lohnt. Auch dabei kommen die Anbieter ihren Kunden weit entgegen. So gibt es Schülersprachreisen heute auch schon auf Grundschulniveau, komplett mit altersgerechtem Programm. Weil Kinder in diesem Alter noch recht ungezwungen reden, nehmen sie aus den zwei ­Wochen oft mehr mit als nur etwas Motivation – wenn das Heimweh nicht zu sehr quält.

Die Größeren interessieren sich hingegen mehr für einen Nutzen für den Schulabschluss, ihre Ausbildung, die Uni oder den Beruf. So haben viele Unternehmen zum Beispiel Abitur- und Prüfungsvorbereitungskurse in ihr Programm aufgenommen. Ebenso können Sprachkurse auf Business-Englisch ausgerichtet sein oder mit Praktika verbunden werden. Und auch die Kombination mit Freiwilligendiensten im Ausland oder mit Work and Travel wird immer beliebter.

 

4. Sparen und Testen

Urlaubsspaß mit Mehrwert hin oder her: Eine Sprachreise muss man sich erst einmal leisten können. Ziele innerhalb Europas kosten meist ab ca. 1000 Euro aufwärts pro Person für Kurs, Programm und Unterkunft; für Kanada oder Südamerika muss man mindestens mit dem Doppelten rechnen. Immer mehr Reisende versuchen, diese Kosten zu reduzieren, etwa indem sie auf günstigere Vermittlungsplattformen ausweichen. Oder sie organisieren sich ihre Sprachreise inklusive Unterkunft gleich selbst und buchen nur den Kurs vor Ort hinzu.

Das hat allerdings reiserechtliche Konsequenzen. Denn wer seine Sprachreise komplett bei einem Veranstalter bucht, zahlt dafür zwar meist mehr; im Gegenzug sind die Veranstalter jedoch vor und während der Reise auch Ansprechpartner und bei Problemen zuständig. Außerdem stehen nur vollständig gebuchte Sprachreisen unter dem Schutz des deutschen Reiserechts. Wer hingegen bei einem Vermittler bucht, reist unter dem Reiserecht des jeweiligen Ziellandes. Verträge werden wie bei selbst organisierten Reisen zwischen dem Kunden und der Sprachschule im Ausland geschlossen.

Eine kurze Anreise spart Geld

Auch bei der Anreise lässt sich sparen. Dass gerade Malta bei Jugendlichen im Trend liegt, hängt sicher auch mit den vielen Billigfliegern zusammen, die die Insel ansteuern. Und wer ganz auf die Fliegerei verzichten möchte, bucht einfach ein Sprachcamp in Deutschland.

Ein weiterer, kostengünstiger Trend sind Kurz-Sprachreisen: Innerhalb einer Woche darf man zwar keine großen Sprünge bei den Fremdsprachenkenntnissen erwarten, aber der Motivationeffekt kann trotzdem eintreten. Viele Interessierte probieren mit einem einwöchigen Kurs auch erst einmal aus, wie ihnen das Konzept gefällt – und buchen dann vielleicht im nächsten Jahr länger.

Die aktuellen Trends bei Schüler-Sprachreisen – Foto: Freepik 



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