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Die 21 gefährlichsten Lernlücken – Teil 2: Mathe und Naturwissenschaften

Seite 2/3: Lernlücken Chemie

Lernlücken Chemie

Lernlücken Chemie - Magazin SCHULE

Unsere Expertin: Andrea Simon ist Fachbetreuerin und unterrichtet Biologie und Chemie für Schülerinnen und Schüler auf Gymnasialniveau.

 

16. Bindungen

ab 1. Lernjahr
Notenfaktor: ★★  Häufigkeit: ★★

Grundlagen werden gern unterschätzt, das gilt für viele Fächer. Auch für Chemie: Wer die unterschiedlichen Arten von Wechselwirkungen zwischen Atomen bzw. Molekülen im ersten und zweiten Unterrichtsjahr nicht versteht, dem bleibt dieses Fach fortan verschlossen.

Zunächst ist wichtig zu unterscheiden: Wer kuschelt sich hier an wen? Atome gehen vorzugsweise feste Bindungen ein, zwischen Molekülen wirken eher schwache Anziehungskräfte. Dann geht es um die genaue Art der Beziehung: Handelt es sich um Ionen-, Metall- oder kovalente Bindungen? Wirken Van-der-Waals-Kräfte, Dipole oder Wasserstoffbrücken? All diese Wechselwirkungen werden früh im Chemieunterricht erklärt und tauchen danach immer wieder auf.

Trotzdem entwickeln viele Schüler nie eine Vorstellung von dem, was in ihren Reagenzgläsern passiert. Späteren Lernstoff müssen sie auswendig lernen und scheitern in Prüfungen schon an Aufgaben, die nur etwas vom gelernten Schema abweichen.

 

TIPP
Elternsprüche wie „Das hab ich auch nie verstanden“ dienen Schülern nur als Entschuldigung für Denkfaulheit. Chemie ist keine Hexerei, wenn man von Anfang an aufpasst.

 

17. Reaktionsgleichungen

Ab 1. Lernjahr
Notenfaktor: ★★  Häufigkeit: ★★

Wie sähe unser Universum aus, wenn die Reaktionsgleichungen von schwachen Chemieschülern zuträfen? Da entstünden Elemente aus dem Nichts, Materie würde plötzlich verschwinden, und täglich könnte man neue bizarre Verbindungen mit ungeahnten Eigenschaften entdecken.

Zum Glück für die Welt ist es so, dass viele Schüler eher Schwierigkeiten mit Gleichungen haben (s. Lernlücke 14). Wenn ihnen dann noch die Vorstellung davon fehlt, wie unsere Welt im Kleinen, auf der Ebene der Atome und Moleküle, aussieht, werden Reaktionsgleichungen eher kreativ bearbeitet als wirklich gelöst. Die Chemienote bleibt dann jedoch unterirdisch.

Beautiful Reactions from Beauty of Science on Vimeo.

TIPP
Sind die Reaktionsgleichungen eines Schülers verheerend falsch, hilft Üben wenig – dann müssen erst Grundlagen wie Stoffaufbau oder chemische Bindungen wiederholt werden.

 

18. Redoxreaktionen

Ab 2. Lernjahr
Notenfaktor: ★★  Häufigkeit: ★★

Irgendwo zwischen Oxidation und Reduktion vergeht so manchem Schüler die Lust an der Chemie. Doch leider tauchen diese Begriffe immer wieder auf, in höheren Klassen teils sogar in Biologie. Deshalb lohnt sich der Aufwand, das Konzept einmal zu verstehen.

Was es Schülern nicht einfacher macht: Oxidationszahlen sind theoretische Größen, die nicht direkt physikalisch messbar sind. Sie dienen dazu, Reaktionen zu beschreiben, bei denen zwischen den Reaktionspartnern Elektronen ausgetauscht werden. Von diesen Redoxreaktionen sollten Schüler sich nicht abschrecken lassen, auch wenn sie erst einmal kompliziert aussehen. Das Schema ist immer das Gleiche. Wenn man sie einmal intus hat, sind Redoxgleichungen in Prüfungen geschenkte Punkte.

 

TIPP
Vorsicht, Verwechslungsgefahr: Ganz ähnlich funktionieren Säure-Base-Reaktionen. Dort werden Protonen statt Elektronen übertragen!



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